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6 Wochen Ferien für alle

Die Volksinitiative «6 Wochen Ferien für alle» von Travail.Suisse wurde im Dezember 2007 lanciert und Ende Juni 2009 bei der Bundeskanzlei eingereicht. Sie verlangt, dass Artikel 110 der Verfassung wie folgt ergänzt wird: «Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben Anspruch auf bezahlte Ferien von jährlich mindestens sechs Wochen.»

Es überrascht nicht, dass Bundesrat und Parlament die Initiative abgelehnt haben. In unserem Land muss jeder Fortschritt zugunsten der Arbeitnehmenden hart erkämpft werden, das wird auch in Bezug auf die Verlängerung der Ferien für alle so sein. Die rechte Mehrheit ist der Meinung, dass das Gesetz Mindestregelungen erlassen soll, dass es Sache der Sozialpartner ist, Verbesserungen auszuhandeln, und dass längere Ferien das Problem der höheren Arbeitsbelastung nicht lösen würden. Verschiedene parlamentarische Initiativen aus den Reihen der Linken und der bürgerlichen Mitte fanden keine Mehrheit – nicht einmal sehr bescheidene Vorschläge wie die Gewährung von mindestens 5 Wochen Ferien für Arbeitnehmende über 50 Jahre. Somit gibt es weiterhin keine Lösung für die immer höhere Belastung am Arbeitsplatz.

Die Stress-Studie 2010 des SECO zeigt, dass ein Drittel der Arbeitnehmenden unter chronischem Stress leidet. Das sind 7 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Arbeitsrhythmus und Termindruck nehmen unablässig und besorgniserregend zu. Ein Viertel der Erwerbstätigen gibt an, sich durch die Arbeit emotional verbraucht zu fühlen – ein direktes Indiz für ein bevorstehendes Burnout.

Mit einer Verlängerung der Ferien auf 6 Wochen, und zwar für alle, könnte die Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmenden langfristig erhalten werden, denn das Berufsleben ist kein Sprint, sondern ein Marathon, und es heisst, durchzuhalten!

Liebe Genossinnen und Genossen, vergleichen wir die Entwicklung der Produktivität und jene des durchschnittlichen Lohnes in den letzten fünfzehn Jahren: Zwischen 1992 und 2007 hat die Produktivität um 21,5 Prozent zugenommen, die Löhne ihrerseits sind nur um 4,3 Prozent gestiegen; die Arbeitnehmenden leisten heute für den gleichen Lohn viel mehr als vor 20 Jahren. Und es sind nicht die in gewissen Sektoren aufgrund des starken Frankens getroffenen Massnahmen, die diese Differenz verkleinern werden, ganz im Gegenteil! Es ist höchste Zeit, dass auch die Arbeitnehmenden etwas von der Steigerung der Produktivität haben, nachdem die Aktionäre und die Manager während Jahren die Früchte des Wachstums für sich eingefahren haben.

Die Verlängerung von vier oder fünf auf sechs Wochen Ferien ermöglicht in gewissen Sektoren zusätzliche Anstellungen, da weiterhin dieselbe Menge Arbeit geleistet werden muss. In anderen Sektoren, zum Beispiel bei den KMU, wird die Initiative zu einer Verbesserung der Arbeitsorganisation führen, um zu vermeiden, dass die Arbeitnehmenden dieselben Aufgaben in weniger Zeit erledigen müssen.

Die Kosten der Umsetzung mit den Kosten des Stresses vergleichen

Mehr Ruhezeit ist nicht umsonst: Ein zusätzlicher Ferientag kostet etwa 1,2 Milliarden Franken. Gegenwärtig liegt die durchschnittliche Feriendauer in der Schweiz bei 5 Wochen; die Kosten der Initiative belaufen sich auf etwa 6 Milliarden Franken. Die Kosten von Stress und hoher Arbeitsbelastung werden vom SECO auf 10 Milliarden Franken geschätzt. Investitionen zur Wiederherstellung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Arbeits- und Ruhezeit rechnen sich und lohnen sich über kurz oder lang für die Gesellschaft.

Die Übergangsbestimmungen des Initiativtextes räumen der Wirtschaft auch genügend Anpassungszeit ein: Im Kalenderjahr, das der Annahme der Initiative folgt, haben die Arbeitnehmenden Anspruch auf mindestens fünf Wochen Ferien. In den darauffolgenden fünf Kalenderjahren steigt der Anspruch jährlich um einen Tag, bis die sechs Wochen erreicht sind.

Das nötige Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Ruhezeit ist immer mehr bedroht. Die Initiative «6 Wochen Ferien für alle» kommt genau zur rechten Zeit, um die Missstände zu korrigieren. Die Arbeitnehmenden brauchen etwas mehr Ferien, um ihre Batterien wieder aufzuladen, neue Energie zu tanken, genügend Zeit mit Familie, Angehörigen und Freunden zu verbringen und Berufs- und Familienleben unter einen Hut zu bringen. Eine leichte Verringerung der Wochenarbeitszeit ist keine Alternative, denn diese führt kaum zu längeren Ruhezeiten.

Liebe Genossinnen und Genossen, empfehlt der Bevölkerung die Annahme dieser Initiative, um endlich eine reale Verbesserung für die Arbeitnehmenden in diesem Land zu erreichen! Unterstützt die Abstimmungskampagne, indem ihr kantonale Komitees zugunsten der Initiative schafft oder solchen beitretet.

Seit über 25 Jahren ist der minimale Ferienanspruch unverändert! Der Weg über die Sozialpartnerschaft genügt nicht, um die Ferien zu verlängern, da weniger als die Hälfte der Arbeitnehmenden einem Gesamtarbeitsvertrag unterstehen. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, den Ferienanspruch deutlich zu erhöhen. Die Arbeitnehmenden brauchen mehr Ferien, und die Wirtschaft kann es sich angesichts der nicht gerecht überwälzten Produktivitätsgewinne der letzten Jahrzehnte und der von der Initiative vorgesehenen Anpassungszeit leisten, diese zu gewähren.

Herzlichen Dank, dass Ihr Euch hier und bei Euch vor Ort dafür einsetzt, dass wir diese Abstimmung am 11. März 2012 gewinnen werden.

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