Timeout statt Burnout
Sechs Wochen Ferien seien ungesund für die Wirtschaft, sagen die Einen. Steigender Stress am Arbeitsplatz ohne Ausgleich ist ungesund für alle, sage ich. In meiner Arbeit als Gewerkschafter sehe ich, wie sich der wirtschaftliche Wandel hin zu immer noch mehr Leistungsdruck und Flexibilität auf die Beschäftigten auswirkt.
Ich bin überzeugt, dass es eine gewisse Kompensation für den zunehmenden Stress am Arbeitsplatz braucht. Die Arbeitsproduktivität in der Schweiz ist zwischen 1992 und 2007 um 21.5 Prozent gestiegen. Dass heisst: Der durchschnittliche Output pro Arbeitsplatz und pro Arbeitsstunde hat zugenommen. Die Reallöhne erhöhten sich im gleichen Zeitraum jedoch nur um 4.3 Prozent. Die Beschäftigten leisten also immer mehr, oder bedienen immer schnellere und anspruchsvollere Maschinen und Geräte. Der Gewinn daraus wurde aber bisher vor allem von den Arbeitgebern abgeschöpft. Es ist jedoch wichtig, dass zumindest ein Teil dieser Produktivitätsgewinne in Form von Freizeit als Ausgleich an die Beschäftigten weitergegeben wird. Denn durch den Wandel in der Arbeitswelt wird die Nacht immer mehr zum Arbeitstag und der Sonntag immer mehr zum Werktag. Das belastet das soziale Umfeld, die Familien und die Freizeit.
Weiter ist bekannt, dass härter werdende wirtschaftliche Realitäten und zunehmender Stress hohe Gesundheitskosten auslösen. Man spricht von jährlich mehreren Milliarden Folgekosten für die Volkswirtschaft. Gemäss seco-Studie fühlen sich in der Schweiz vier von fünf Erwerbstätigen gestresst, davon gut ein Viertel oft oder sehr oft gestresst. Ferien können Stress abbauen. Sie sind also im Interesse des Gesundheitsschutzes und des Ausgleichs wichtig, damit die Menschen leistungsstark und gesund bleiben. Jeder Mensch braucht Erholungsphasen.
Die Organisation „Schweizerische Gesundheitsförderung“ hielt in den Schlussfolgerungen einer Analyse zum Thema „Stress“ folgendes fest: „Der voraussichtlich anhaltende soziale Wandel und der wachsende wirtschaftliche Druck führen dazu, dass chronische Belastungen sowie Mehrfachbelastungen noch zunehmen werden. Damit werden auch die Bewältigung kritischer Lebensereignisse und biografische Übergänge erschwert. Die Relevanz von Stress als einem der wichtigsten Risikofaktoren für psychische (und physische) Gesundheit gewinnt an Bedeutung. Die Last psychischer (und physischer) Krankheiten wird ohne gezielte und wirksame Massnahmen weiter steigen und ein noch gewichtigerer sozialer und volkswirtschaftlicher Faktor werden.“
Eine nachhaltige Wirtschaft kann sich nur in einer gesunden Umwelt mit sozialen Leitplanken entwickeln. Dazu gehören genügend Erholungsphasen für die Menschen dieser Wirtschaft. Deshalb: JA zur Volksinitiative „6 Wochen Ferien für alle“!







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