Grundsatzpapier
Im Rahmen einer SP-internen Veranstaltung zur Vernehmlassung haben wir das räumliche Leitbild sowie das Aktionsprogramm Stadtentwicklung diskutiert und uns dazu eine Meinung gebildet.
Räumliches Leitbild
Allgemeines
Stadtentwicklung und Bauen sind nie nur natürliche Prozesse. Gute Stadtentwicklung braucht gute Planung. Gute Architektur kann keine städtebauliche Planung ersetzen. In diesem Sinne fordern wir eine aktive Stadtplanung, auch Testplanungen und Ressourcen für eine sorgfältige, aber auch innovative, ökologische Stadtplanung. Die Zusammenarbeit mit privaten Investoren muss von der Stadt stärker als bisher inhaltlich geleitet und geprägt werden, um zu qualitativ guten, nachhaltigen Ergebnissen zu gelangen. Dem von einer rein ökonomischen Sicht geprägten, privaten Interesse, muss die Stadt eine Gesamtsicht gegenüberstellen.
Im vorliegenden Raumentwicklungskonzept wird zwar von Verdichtung gesprochen, es fehlt aber eine erkennbare Strategie für die innere Verdichtung. Das verdichtete Bauen auf der „grünen Wiese“ entspricht nicht der inneren Verdichtung. Die Qualität des urbanen Raumes könnte über eine massvolle Verdichtung (z.B. auch in Zusammenarbeit mit den Wohnbau- Genossenschaften) geplant und gesteuert werden.
Es gibt jedoch auch Grenzen der Verdichtung:
- Eine Ausdehnung des Siedlungsgebietes in den Grünbereich darf nicht unter der Zielsetzung der Verdichtung erfolgen. Hier geht es eindeutig um Neuüberbauungen, welche als solche zu deklarieren sind.
- Die Grenzen zwischen Bebauung, Grünraum und öffentlichem Raum müssen beachtet werden. Ein ausgewogenes Verhältnis von bebauter Fläche und Grünraum ist von zentraler Bedeutung.
Verdichtung und Hochhäuser
In den vorliegenden Unterlagen bestehen keine nachvollziehbaren Begrün-dungen, nach welchen Kriterien die Platzierung von Hochhäusern im Stadt- und Agglomerationsraum vorgesehen ist. Darum stellen sich für uns hier folgende Fragen:
- Sind die neuen Hochhausgebiete rein auf die bestehenden Siedlungsgebiete ausgerichtet (da wo es schon welche hat) oder haben sie auch etwas mit dem Landschaftsraum zu tun?
- Welche stadtplanerischen Begründungen werden für die Platzierung der höheren Häuser und Hochhäuser angeführt?
- Ist die Siedlungsentwicklung durch Hochhäuser mit der Verkehrserschliessung koordiniert?
Es erscheint uns fragwürdig, ob die Strategie, Hochhäuser da anzusiedeln, wo es schon welche hat, sinnvoll ist. Dies ist zufällig, seriöse Begründungen fehlen. Es soll es keine Gebiete geben, die aus städtebaulicher Sicht als von geringer Qualität erachtet werden z.B. weil es da zufällig schon Hochhäuser hat. Verdichtetes Bauen heisst unter anderem, dass man sich in die Höhe entwickelt.
- Wie kommt man auf 35m? - Wann liegt das regionale Hochhauskonzept vor?
Verdichtung und Einfamilienhäuser (Littau)
Dass es in der zukünftigen Stadt Luzern Gebiete geben soll, wo neue Einfamilienhäuser auf die grüne Wiese gebaut werden, ist keine städtebauliche Überlegung sondern hat einen steuerpolitischen Hintergrund. Der Nachweis, dass diese Strategie auch unter ökonomischen Gesichtspunkten sinnvoll ist, wäre jedoch noch zu erbringen. Die Nachhaltigkeit unter Einbezug der gesellschaftlichen Aspekte (soziale Segregation) und der Ökologie (Landverschleiss, Verkehrsaufkommen) ist sicherlich nicht gegeben.
Soll ausschliesslich verdichtetet gebaut werden, sollten konsequenterweise keine neuen Einfamilienhausquartiere mehr zugelassen werden.
Dynamische Wohn- und Arbeitsgebiete
Das Planungsinstrument „Masterplan“, das ohne politische Abstützung auf der parlamentarischen Ebene und ohne Einbezug der Bevölkerung dazu verwendet werden kann, schnell eine Dynamik auszulösen, betrachten wir mit grosser Skepsis. Sorgfältige, breit abgestützte Planungsschritte erzielen nachweislich bessere Ergebnisse als überstürzte, kontroverse Projekte.
Zentrale Orte und Freiräume
Die Quartierversorgung über zentrale Orte zu gewährleisten, ist begrüssenswert. Nach wie vor hat die Stadt Luzern keine aktive Quartierpolitik und schiebt die Erarbeitung konkreter Vorstellungen immer wieder hinaus. Wir erachten es als dringend notwendig, dass diesem Thema in den weite-en Schritten der BZO-Revision verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Der Schutz bestehender und die Schaffung neuer Grünzonen ist aus unserer Sicht prioritär zu behandeln, da Grünzonen wertvolle Naherholungsräume, Aufenthalts- und Spielflächen in einer enger und grösser werdenden Stadt sind. Dies ist vor allem auch bei der weiteren Verdichtung von Wohn- und Arbeitsgebieten zu beachten.
Stadt und Landschaft
Die räumliche Vernetzung der Lebensräume (Wohnen, Arbeiten, Freizeit) ist wo immer möglich anzustreben. Soll die Mobilität nicht eingeschränkt werden, ist eine Veränderung des Modal Split zwingend. Fuss- und Radverbindungen müssen ausgebaut werden und bestehende Hindernisse sollen konsequent abgebaut werden. Es ist wünschenswert, dass hier sogar ein besonderer Effort gemacht wird, damit klare Anreize für den Umstieg geschaffen werden.
Stadt am Wasser
Der Umgang mit dem See- und Flussufer als Naherholungsgebiet und ökologischer Ausgleichsfläche ist gut angedacht. Unklare Aussagen über das Mass der Nutzung durch Ergänzungsbauten am Seeufer und an der Reuss lassen jedoch noch einen zu grossen Spielraum offen, der einer Konkretisierung und Einschränkung bedarf.
Bedeutende Bewegungsräume
Verkehrsmassnahmen wie Spange Nord und Süd oder der Tiefbahnhof beeinflussen die Luzerner Stadtentwicklung massiv. Diese Massnahmen sind teilweise politisch höchst umstritten – und eine (schnelle) Realisierung erscheint fraglich.
Obwohl die Stadt oftmals nur einen geringen Einfluss auf die grossen kantonalen und vor allem nationalen Verkehrsprojekte hat (weil sie in Bundes-, Kantons-, oder SBB-Hand sind), muss sie sich für konkrete Projekte aussprechen und sich dafür aktiv einsetzen. Der Durchgangsbahnhof muss für Luzern deshalb wieder auf die Traktandenliste gesetzt werden. Das Agglomerationsprogramm löst die Verkehrprobleme der heutigen Zeit nicht. Es braucht dringend kurzfristige und spürbare Massnahmen, welche die Verkehrsproblematik entschärfen (z.B. Mobilitätsmanagement, Tempo 30, Massnahmen Langsamverkehr, Parkieren erschweren, Busspuren durchsetzen etc.). Die Verkehrsprobleme beeinflussen das wirtschaftliche Wachstum in Stadt und Agglomeration Luzern negativ. Die meisten Städte, die eine deutlich bessere Wirtschaftsentwicklung aufzuweisen haben, haben ein besser ausgebautes ÖV-System. Das heisst, der öffentliche Verkehr muss gefördert werden und es kann nicht sein, dass mit einer partiell ausgebauten Strasseninfrastruktur noch mehr MIV die Strassen verstopft. Um in Verkehrsfragen wirklich voranzukommen, muss sich der Modal Split in Stadt und Agglomeration Luzern ändern. Zu beachten ist dabei, dass 60 % des Autoverkehrs kein Berufsverkehr sondern Freizeitverkehr sind.
Aktionsprogramm
Allgemeines
Die Ansiedlung und Verantwortung der Massnahmen im Aktionsprogramm (z.B. bei der Berücksichtigung des kreativen Milieus) sind oft problematisch. Die dringend benötigte Vernetzung verschiedenster Themen und Politikfelder ist im Aktionsprogramm zu wenig sichtbar. Stadtentwicklung kann nicht in Direktionen gegliedert umgesetzt werden. Gewisse Massnahmen machen zur Zeit noch den Eindruck von reinen „Direktionsprojekten“ und haben unklare Prioritäten. Die Auswahl und Priorisierung sollte nochmals überdacht werden.
Wirtschaft, Raumordnung und Verkehr
Es sollen nicht alle Schlüsselareale entwickelt und realisiert werden. Es sollen auch Entwicklungsgebiete für künftige Generationen freigehalten werden.
Die Strategie der Stadt scheint es zu sein, Schlüsselgebiete zu analysieren und dann auf potente Investoren zu waren. Andere Möglichkeiten werden nicht berücksichtig. Es gäbe aber auch die Möglichkeit, diese Schlüsselgebiete in Kooperation mit Wohnbau-Genossenschaften und weiteren Interessierten zu entwickeln.
Es wird nur die Wohnentwicklung für das mittlere und höhere Segment angesprochen, damit wird einer sozialen Entmischung im Stadt- und Agglomerationsraum Vorschub geleistet. Die damit vorhersehbaren sozialen und wirtschaftlichen Probleme und Kosten belasten die Stadt Luzern in Zukunft. Nur eine gute Durchmischung kann den sozialen Frieden, Fortschritt und Wohlstand bringen.
Die Erhaltung kostengünstigen Wohnraums ist schwierig, wenn die Flächenausnutzung im Sinne der Verdichtung deutlich erhöht wird. Die Erhöhung der Ausnutzung führt oft zu Abbruch und Neubau der Liegenschaften. Dies hat, zumindest in den ersten Jahren, zur Folge, dass die Wohnungen teurer werden. Es soll sichergestellt werden, dass trotzdem genügend kostengünstiger Wohnraum in der Stadt vorhanden ist.
Es muss ein aktives Bekenntnis mit entsprechenden Massnahmen zur Berücksichtigung der Kreativmilieus gemacht werden, weil diese sonst durch den hohen Nutzungsdruck verdrängt werden.
Umwelt, Energie und Landschaft
Die Bedeutung der grossen Grünräume in der Stadt Luzern wird im Aktionsprogramm Stadtentwicklung berücksichtigt. Dem weiter zunehmenden Druck auf die kleinen Grünräume, unter anderem durch die Verdichtung, wird jedoch zuwenig Beachtung geschenkt. Diesen muss aber vor allem auch im Zusammenhang mit einer weiter wachsenden Stadt hohe Bedeutung zugemessen werden. Grünräume haben eine hohe Bedeutung und sind für das Wohlbefinden und den sozialen Frieden der Bevölkerung zentral.
Die Stadt Luzern sollte sich bei der Förderung ökologischer Wohnmodelle stärker engagieren. So sollten Abgaben-Erlasse oder andere Anreizsysteme bei ökologischen Wohnformen erprobt und angewandt werden können.
Nachhaltigkeit
Die Verwendung von Nachhaltigkeitsindikatoren, vor allem über eine längere Zeit, ist begrüssenswert. Die im Raumentwicklungskonzept aufgelisteten Beurteilungen sind aber schwer verständlich. Als interne Indikatoren mögen sie taugen, für die Kommunikation sind sie aber nicht geeignet.






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