Zum Tod von Sonya Schmidt

Sonya Schmidt ist 1934 geboren und war heilpädagogische Lehrerin. Sie kandidierte bei den ersten eidgenössischen Wahlen unter Beteiligung von Frauen für den Nationalrat, wobei sie chancenlos blieb. Zwei Jahre später, 1973, wurde sie in den Grossen Rat des Kantons Aargau gewählt und übernahm bald schon das Amt der SP-Fraktionspräsidentin. Sie engagierte sich vor allem bildungspolitisch. Da ihr Ehemann als Bundesrichter berufen wurde, hatte sie nach damaligem Eherecht nach seinem Amtsantritt seine Heimatgemeinde anzunehmen, die in Basel war und woraufhin sie ihr politisches Amt im Kanton Aargau verlor. 1989 übernahm sie das Präsidium der SP-Frauen Schweiz und übte es bis 1993 aus. Sonya Schmidt präsidierte die SP Frauen in der Zeit der Nicht-Wahl von Christiane Brunner. Ihre Präsidentschaft fiel in eine Zeit, in der die Frauen innerhalb der SP sichtbar erstarkten – vieles davon ist auch ihr Verdienst.

In ihrer Amtszeit wurde die parteiinterne Geschlechterquote auf 40% erhöht und die SP Schweiz begann, die Quotenregelung auch bei der Besetzung öffentlicher Ämter auszuüben. Sie setze sich stark dafür ein, dass frauenpolitische Anliegen auch zu Anliegen der Gesamtpartei wurden. Damit sich die Parteikollegen gleichstellungspolitischen Debatten nicht nochmals entziehen konnten, setzten die SP-Frauen unter Sonya Schmidt ihre Anliegen 1991 kurzum auf die Traktandenliste des Parteitages. Hintergrund dazu bildeten die im selben Jahr begangenen Feierlichkeiten zur Gründung der Schweiz. Die SP-Frauen nutzten den Anlass, um „für die 700 Jahre männlich dominierte Eidgenossenschaft 7 Stunden weiblich dominierten SPS Parteitag“ einzufordern. Der Parteitag verabschiedete im Anschluss ein Manifest, das die Gleichstellung von Frauen und Männer in Gesellschaft, Beruf und Politik zum zentralen Schwerpunkt der Partei erklärte. 1991 nahmen die SP Frauen unter Sonya Schmidt als einzige Frauenorganisation einer Regierungspartei am Frauenstreik teil, trugen und gestalteten diesen stark mit. Weiter warben die SP Frauen unter Sonya Schmid zur Zeit der EWR-Abstimmung gemeinsam mit den Gewerkschaftsfrauen für einen fortschrittlichen Kurs in Gleichstellungsfragen und «JA» zur Europäischen Gemeinschaft EG. Sonya Schmidt vernetzte die SP Frauen auch international und reiste als Frauenpräsidentin sie an die Zusammenkünfte der Sozialistischen Frauen in Stockholm, Genf, Brüssel sowie an Tagungen der SPD-Frauen in Mannheim, Essen und an den Wiedervereinigungsparteitag der SPD in Berlin.

 In Sonya Schmidts Amtszeit fällt auch die im Jahr 1992 publizierte, durchaus humorvolle Broschüre der SP Frauen mit dem Titel «Ein Minderheitenprogramm für die vergessene Mehrheit“.  Darin kreierten die Autorinnen eine utopische Vision des politischen Feldes, in der „die Interessen der Frauen und, ganz allgemein, die Interessen derjenigen, welche von der Geschichte und von den Mächtigen so leicht vergessen werden Berücksichtigung fanden. Ideenreich stellten die SP-Frauen darin den realen politischen und gesellschaftlichen Strukturen eine „originelle, neuartige und demokratische Alternative“ gegenüber. Gemäss dieser würde die Schweiz von 14 Bundesrätinnen regiert, die aufgrund der „Zauberformel ‚Abrakadabraham’ zur Exorzierung des Patriarchats“ die politische Macht übertragen erhalten haben. Auffälligerweise befänden sich unter den Bundesrätinnen viele Hochbetagte, da „sich unlängst erwiesen hat, dass Weisheit im weiblichen Alter zunimmt, während bei Männern umgekehrte Entwicklungen nicht selten sind.“ Ein zusätzlicher Verfassungsrat der „sieben weisen Frauen“ überwacht die parlamentarischen Geschäfte und seine Vertreterinnen „sorgen für das allgemeine Wohlbefinden, indem sie darauf achten, dass soviel Ordnung wie nötig und soviel Unordnung wie möglich herrscht.

Die wohl wichtigste Zäsur in Sonya Schmidts fiel mit dem Ende ihrer Amtszeit und mit der Amtsübergabe an von Sonya Schmidt an Margrit von Felten zusammen. Die Nicht-Wahl Christiane Brunners führte auch bei den SP Frauen zu einem grossen Protest. Sonya Schmidt stand im Namen der SP Frauen hinter der Alleinkandidatur von Christine Brunner und bezeichnete dies in einem Interview rückblickend als «furchtbare Momente», da der faktisch gewählte Bundesrat Francis Matthey nur unter der Bedingung auf sein Bundesratsamt verzichtete,  dass neben Christine Brunner eine zweite Frau zur Wahl vorgeschlagen wurde. Von den grossen Protesten bei der Nichtwahl Christiane Brunners konnten die SP Frauen profitieren und ein Mitgliederwachstum verzeichnen. Schmidt war verheiratet und hat drei Kinder. Sie ist am 4. Mai in Aarau im Alter von 82 Jahren verstorben.  

Nachruf von Natascha Wey, Co-Präsidentin SP Frauen* Schweiz

 

Quelle: Disseration Fabienne Amlinger, Im Vorzimmer zur Macht? Die Frauenorganisationen der SPS, FDP und CVP (1971 – 1995). Unveröffentlicht, Bern, Nov. 2014.

Ansprechpartner:innen zu diesem Thema

Beitrag teilen:

Facebook
Twitter
LinkedIn
Animation laden...Animation laden...Animation laden...

Newsfeed

Du hast Fragen zur Mitgliedschaft oder dem Mitgliedschaftsformular? Wir helfen gerne.

Häufige Fragen

Am einfachsten, indem Du online das Beitrittsformular nebenan ausfüllst.

Du kannst selbst entscheiden, welches Engagement für Dich am besten passt.

  • Wenn Du wenig Zeit hast, ist es absolut in Ordnung, wenn Dein Engagement sich vor allem darauf beschränkt, Deinen Mitgliederbeitrag zu bezahlen. Auch das hilft uns sehr, um die Schweiz und die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
  • Die Sektion, bei welcher Du Mitglied bist, wird Dich eventuell hin und wieder anfragen, ob Du Zeit hättest, bei einer Standaktion, einer Unterschriftensammlung oder einer Telefonaktion mitzumachen. Falls Dir das zusagt, sind wir sehr froh darüber – aber es ist natürlich völlig freiwillig.
  • Die meisten Sektionen führen regelmässig Mitgliederversammlungen durch, um die aktuellsten politischen Themen und Aktivitäten zu besprechen. Die Teilnahme daran ist natürlich ebenfalls völlig freiwillig. Aber es kann ein guter Ort sein, um neue Leute kennenzulernen.
  • Falls Dich ein Themengebiet besonders bewegt, kannst Du Dich in einer Themenkommission der SP Schweiz oder Deiner Kantonalpartei engagieren, oder in einer der Unterorganisationen wie den SP Frauen, den SP Migrant:innen, der SP 60+ oder der SP queer.
  • Häufig gibt es auch die Möglichkeit, ein partei-internes Amt, z.B. im Vorstand Deiner Sektion zu übernehmen.
  • Falls Du das möchtest, kannst Du mit Deiner Sektion auch Kontakt aufnehmen, um über eine Kandidatur für eine öffentliches Amt zu sprechen, z.B. in der Schulpflege Deines Wohnortes.

Um unsere Werte verteidigen zu können, braucht es finanzielle Mittel. Die SP ist eine Mitgliederpartei und schöpft ihre Stärke aus dem Engagement ihrer Mitglieder.
Die Mitgliederbeiträge werden von den Kantonalparteien und den Sektionen unterschiedlich festgelegt und sind abhängig von Deinem steuerbaren Einkommen. Wir folgen unseren eigenen politischen Forderungen: Wer wenig verdient, bezahlt wenig, und wer viel verdient, beteiligt sich mehr an den Kosten von Partei und Politik.
In der Regel fallen jährlich je nach Einkommen Kosten zwischen circa 80 und einigen Hundert Franken an. Die Mitgliederbeiträge werden jährlich erhoben.

Ja, selbstverständlich! Du kannst der SP beitreten, ohne den Schweizer Pass zu haben. Denn alle Menschen, die in der Schweiz leben, sollen in der Politik mitdiskutieren können.

Du hast verschiedene Möglichkeiten, Dich einzubringen. Wenn Du an Deinem Wohnort aktiv werden möchtest, wendest Du Dich am besten an die Sektion Deiner Gemeinde oder Deines Quartiers. Diese ist auch die richtige Anlaufstelle für den Einsatz in einem öffentlichen Amt (Gemeinderat, Schulpflege, Sozialbehörde…).
Du kannst Dein Wissen und Können auch innerhalb der Partei einbringen. Die SP sucht immer Leute, die sich in der Parteiorganisation engagieren (Gemeinde, Bezirk, Kanton, Themenkommissionen).

Melde Dein Interesse bei den Verantwortlichen Deiner Ortssektion an. Die Sektion nominiert SP-Kandidierende für öffentliche Ämter, sei dies für den Gemeinderat oder die lokalen Schul-, Sozial- oder Finanzbehörden. Die Ortssektion bildet oft auch für Ämter auf übergeordneter Ebene (Kantons- oder Grossrat) den Ausgangspunkt des parteiinternen Nominationsprozesses.

Abgesehen von der Zahlung des jährlichen Mitgliederbeitrags gehst Du keine Verpflichtungen ein. Voraussetzung für den Beitritt ist eine inhaltliche Nähe. Dies bedingt jedoch nicht, dass Du in allen Fragen mit der SP gleicher Meinung sein musst.

Die Statuten der SP Schweiz verbieten die gleichzeitige Mitgliedschaft in mehreren Schweizer Parteien.
Doppelbürger:innen können Mitglied der SP Schweiz und Mitglied einer ausländischen Schwesterpartei sein, beispielsweise der deutschen SPD oder des italienischen Partito Democratico. Die Mitgliedschaft bei der SP Schweiz ist für Angehörige von Schwesterparteien gratis, sofern sie belegen können, dass sie in ihrem Heimatland Mitgliederbeiträge an eine Sozialdemokratische Partei entrichten.

Ja. Auch im Ausland kannst du dich als Mitglied der SP Schweiz in die Politik einbringen. Wenn Du Deinen Wohnsitz im Ausland hast, wirst du automatisch Mitglied der SP International.

Für JUSO-Mitglieder besteht bis zum Alter von 26 Jahren die Möglichkeit einer kostenlosen SP-Mitgliedschaft. Ein entsprechender Antrag kann per Mail an [email protected] gestellt werden.

Das bietet Dir die SP

Was Du von der SP erwarten darfst.

Du bist nah dran an der Politik: Wir schicken Dir unsere Aufrufe, Newsletter sowie sechs Mal jährlich unser Mitgliedermagazin „links“. Du kannst Dich mit Gleichgesinnten vernetzen.

Du kannst von andern lernen und Dich mit Deinem Wissen und Können auf verschiedenen Ebenen in der Partei einbringen.
Gemeinsam schaffen wir eine bessere Zukunft!

Keine Demokratie ohne Bildung. Wir bieten Dir Webinare und Seminare zu Hintergrundwissen und aktuellen politischen Themen.