{"id":109086,"date":"1970-01-01T00:00:00","date_gmt":"1969-12-31T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/artikel\/gleichstellung-heisst-gerechtigkeit-und-demokratie\/"},"modified":"2023-08-18T13:52:00","modified_gmt":"2023-08-18T11:52:00","slug":"gleichstellung-heisst-gerechtigkeit-und-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/artikel\/gleichstellung-heisst-gerechtigkeit-und-demokratie\/","title":{"rendered":"Gleichstellung heisst Gerechtigkeit und Demokratie"},"content":{"rendered":"<p><em>Rede von Marina Carobbio Guscetti am Nominierungskongress vom 16. Juni 2019 in Rivera TI.<\/em><\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Bundesr\u00e4tin, liebe Simonetta, lieber Fraktionspr\u00e4sident Roger, liebe Genossinnen und Genossen, sehr geehrte G\u00e4ste<\/p>\n<p>Als ich am Freitag Morgen, kurz vor 11 Uhr, die Sitzung des Nationalrates unterbrochen habe und auf den Bundesplatz gekommen bin, kamen mir Tr\u00e4nen der R\u00fchrung angesichts so vieler Frauen, die uns erwarteten. Der Platz war violett eingef\u00e4rbt, aber gleichzeitig auch vielfarbig. Genau so vielfarbig und vielf\u00e4ltig wie die Diversit\u00e4t, welche uns stark macht und welche niemals zur Ausgrenzung f\u00fchren darf.<\/p>\n<p>Ich habe es im Nationalrat gesagt, ich habe es auf dem Bundesplatz wiederholt und ich betone heute noch einmal: Gleichstellung ist eine Frage der Gerechtigkeit und der Demokratie.<\/p>\n<p>Am Freitag, den 14. Juni, habe ich an zwei Frauen gedacht, die mir sehr nahe stehen. Frauen, deren Geschichte \u00e4hnlich sein d\u00fcrfte wie diejenige vieler anderer Frauen, und die auch \u00e4hnlich sein d\u00fcrfte wie diejenige vieler von euch, die ihr heute hier seid. Ich habe an meine Mutter Graziella gedacht, die wie zahlreiche andere Frauen ihrer Generation ein weiteres Mal an einer feministischen Demonstration teilgenommen hat. Sie war die erste, welche mich gelehrt hat, was es heisst, Frau und Feministin zu sein. Und ich habe an meine 15-j\u00e4hrige Tochter Laura gedacht. Sie soll eine Zukunft haben, wo es nicht mehr n\u00f6tig sein wird, auf die Strasse zu gehen f\u00fcr Lohngleichheit, gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz oder weil sie nicht aufgrund ihrer Kleidung beurteilt werden will.<\/p>\n<p>Diese starken Emotionen, welche ich in Bern erlebt habe, habe ich auch Abends in Bellinzona erlebt. Und ich habe mir gesagt: jetzt ist es tats\u00e4chlich m\u00f6glich. Etwas wird sich \u00e4ndern. Hunderte von Tausenden von Frauen, welche auf die Strasse gehen, und am Arbeitsplatz, trotz Druck und Schwierigkeiten, gestreikt haben, k\u00f6nnen nicht einfach ignoriert werden. Jetzt ist es an der Politik, vorw\u00e4rts zu machen. Wer ein politisches Amt hat, muss jetzt entschieden und mit \u00dcberzeugung die Forderung nach einer echten Lohngleichheit vorantragen, sich f\u00fcr einen Elternurlaub auch in der Schweiz einsetzen und f\u00fcr Anerkennung der Care Arbeit, vor allem seitens der Sozialversicherungen, einstehen.<\/p>\n<p>Diese \u00fcbergreifende Bewegung, welche Respekt und Gleichberechtigung fordert, und gegen Geschlechterdiskriminierung k\u00e4mpft, hat eine grosse Sprengkraft, vergleichbar mit der Sprengkraft der Klimajugend.<\/p>\n<p>In beiden Bewegungen ist ein starker Wille vorhanden, die Verh\u00e4ltnisse zu \u00e4ndern und eine bessere, gerechtere, inklusivere und solidarischere Gesellschaft einzufordern. Eine Gesellschaft, in der Reichtum umverteilt wird und nicht nur einigen wenigen zur Verf\u00fcgung steht. Eine Gesellschaft, in der Wachstum gebremst und die Umwelt gesch\u00fctzt wird. Eine Gesellschaft, in der die Jugend eine Zukunft hat. Eine Gesellschaft, in der die Rechte der Menschen, die von weit her kommen, nicht mit F\u00fcssen getreten werden. Eine Gesellschaft, in der Menschen, die in Schwierigkeiten sind, nicht ausgegrenzt werden.<\/p>\n<p>Viele Menschen beteiligen sich an Demonstrationen, Anl\u00e4ssen und Begegnungen, viele \u00e4ussern sich und verlangen nach einer gerechteren Gesellschaft. Sie wollen, dass die schw\u00e4cheren Mitglieder besser verteidigt und Vielfalt als Wert anerkannt wird. Denn die Vielfalt der Geschlechter, der Herkunft und der Kultur ist unser Reichtum. Die F\u00e4higkeit, die verschiedenen Komponenten unserer Gesellschaft zu integrieren, ist die St\u00e4rke unseres Kantons.<\/p>\n<p>In diesen Monaten als Pr\u00e4sidentin des Nationalrates bin ich vielen Menschen begegnet. Ich habe einige L\u00e4nder des S\u00fcdens besucht, und weitere Besuche sind geplant. Ich habe gesehen, wie n\u00f6tig es ist, vermehrt in die Entwicklungszusammenarbeit zu investieren. Diese Hilfe darf nicht reduziert werden. Ich habe mit Frauen gesprochen, die sexuelle Gewalt erleben. Ich bin Frauen und Kindern in einem Gesundheitszentrum in Mozambique begegnet, wo es auf Tausende von Kranken einen einzigen Arzt gibt.<\/p>\n<p>Immer mehr bin ich davon \u00fcberzeugt, dass die Klimafrage nicht von der sozialen Frage getrennt werden kann. Weltweit gesehen, sind zehn Prozent der reichsten Personen f\u00fcr die H\u00e4lfte der CO<sub>2 <\/sub>Emissionen verantwortlich. Ein Prozent der Superreichen verursacht gleich viel Emissionen, wie die \u00e4rmste H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung. Aus diesem Grund ist Gleichstellung eine wichtiger Beitrag zur Bew\u00e4ltigung der Klimakrise.<\/p>\n<p>Heute ist ein spezieller Tag: Dank eurer Annahme der SP-Liste f\u00fcr den Nationalrat und meiner Kandidatur f\u00fcr den St\u00e4nderat, dank der Listenverbindungen mit den anderen Linksparteien, schaffen wir die besten Voraussetzungen f\u00fcr einen zweiten Sitz des progressiven, linken und feministischen Lagers in Bern. Erstmals in der Geschichte des Kantons Tessin k\u00f6nnten wir eine Frau als Vertreterin im St\u00e4nderat haben.<\/p>\n<p>Ein Traum? Vielleicht. Aber wie der chilenische Schriftsteller Luis Sepulveda schreibt: wir m\u00fcssen an unsere Tr\u00e4ume glauben, und sie in Realit\u00e4t umformen.<\/p>\n<p>Die jetzigen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse haben sp\u00fcrbare Folgen f\u00fcr die Menschen, f\u00fcr die Familien, f\u00fcr die Arbeiterinnen, f\u00fcr die Arbeiter und f\u00fcr unsere Umwelt. Die Ungleichheit und das Prekariat nehmen zu. Schauen wir, zum Beispiel, die Gesundheitskosten und Krankenkassenpr\u00e4mien an. Das Parlament, von Lobbys und Partikul\u00e4rinteressen gesteuert, geht das Problem der st\u00e4ndig steigenden Krankenkassenpr\u00e4mien, welche das Familienbudget erodieren, nicht an. Das hat die SP Schweiz dazu gebracht, eine Initiative zu lancieren, welche verlangt, dass die Krankenkassenpr\u00e4mien maximal 10 Prozent des verf\u00fcgbaren Einkommens einer Familie betragen d\u00fcrfen. Das Parlament muss auch dringend L\u00f6sungen finden f\u00fcr Personen, welche mit \u00fcber 50 ihre Arbeit verlieren, f\u00fcr M\u00fctter, welchen nach der Geburt ihres Kindes oder noch w\u00e4hrend der Schwangerschaft gek\u00fcndigt wird, f\u00fcr die jungen, gut ausgebildeten Menschen, welche als Praktikantinnen und Praktikanten arbeiten, anstatt in fester Anstellung zu fairem Lohn und anst\u00e4ndigen Arbeitsbedingungen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen unserem Kanton eine Chance geben, nicht indem wir uns vom Rest der Schweiz und der Welt abschotten, sondern indem wir Br\u00fccken bauen. Br\u00fccken zwischen Sprachen und Kulturen bauen, das ist eines der Zeichen, welches ich in meinem Pr\u00e4sidialjahr setzen wollte. Aus diesem Grunde leite ich die Sessionen in italienischer Sprache. Es ist f\u00fcr mich wichtig, dass die sprachlichen und kulturellen Minderheiten respektiert werden, denn die Identit\u00e4t eines Landes h\u00e4ngt auch von seiner F\u00e4higkeit ab, die verschiedenen Komponenten seiner Bev\u00f6lkerung anzuerkennen, zu f\u00f6rdern und zu unterst\u00fctzen. Hindernisse, wie zum Beispiel sprachliche Barrieren, welche die volle Partizipation aller B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger am demokratischen Leben verhindern, m\u00fcssen beseitigt werden.<\/p>\n<p>Die Listenverbindung mit den anderen Kr\u00e4ften des rot-gr\u00fcnen Lagers ist sicherlich ein wichtiger Schritt f\u00fcr die nationalen Wahlen, aber auch f\u00fcr eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit auf kantonaler Ebene. Ich danke allen Kandidierenden, die sich zur Verf\u00fcgung stellen: Andrea, Bruno, Chiara, Christina, Davide, Igor und Martina auf der SP Liste, sowie allen Kandidierenden auf der Liste \u00abGr\u00fcnen und linke Alleanz\u00bb.<\/p>\n<p>Meine Kandidatur f\u00fcr den St\u00e4nderat ist ein kollektives Projekt. Ich bin stolz, daran teilzunehmen, wenn ihr mir euer Vertrauen aussprechen wollt. Wir k\u00f6nnen unsere Ziele diesen Herbst erreichen, wenn wir alle mit Leidenschaft und Entschiedenheit unsere Ideale und Werte vorantragen: Solidarit\u00e4t, soziale Gerechtigkeit, Schutz der Umwelt und eine bessere Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede von Marina Carobbio Guscetti am Nominierungskongress vom 16. Juni 2019 in Rivera TI. 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