{"id":153249,"date":"2024-11-13T08:44:35","date_gmt":"2024-11-13T07:44:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/vorstoesse\/postulat-senkung-der-polizeikosten-dank-dem-dialogorientierten-ansatz-im-management-von-fussballfans\/"},"modified":"2024-11-13T08:44:35","modified_gmt":"2024-11-13T07:44:35","slug":"postulat-senkung-der-polizeikosten-dank-dem-dialogorientierten-ansatz-im-management-von-fussballfans","status":"publish","type":"vorstoesse","link":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/vorstoesse\/postulat-senkung-der-polizeikosten-dank-dem-dialogorientierten-ansatz-im-management-von-fussballfans\/","title":{"rendered":"Postulat: Senkung der Polizeikosten dank dem dialogorientierten Ansatz im Management von Fussballfans"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Antrag:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Gemeinderat wird gebeten zu pr\u00fcfen, in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei, unter Einbezug des FC Thun und mit wissenschaftlicher Begleitung das Prinzip des dialogorientierten Ansatzes im Management von Fussballfans (an Spieltagen, aber auch ausserhalb derer) zu initiieren mit dem Ziel, die Polizei- und Verwaltungskosten mittel- und l\u00e4ngerfristig zu senken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Begr\u00fcndung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Polizeikosten f\u00fcr Eins\u00e4tze bei Fussballspielen bewegten sich von 2013 bis 2017 zwischen 591&#8217;000 und 1,07 Mio., was einem Anteil an den polizeilichen Gesamtkosten zwischen 17,1 und 29% entspricht (2013: 29,3%, 2014: 17,1%, 2015: 21,5%, 2016: 21,6%, 2017: 22%, 2018: 20,37%). Das gemeinder\u00e4tliche Ziel, den Betrag von max. 750&#8217;000\/Jahr nicht zu \u00fcberschreiten, wurde vier von sechs Mal nicht eingehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis anhin hat der Gemeinderat auf Fehlverhalten der Fans vorwiegend mit einer Versch\u00e4rfung der repressiven Massnahmen reagiert und verschiedene Handlungsoptionen im Rahmen des Hooligan-Konkordates verf\u00fcgt. Dies hat sich jedoch als nicht zielf\u00fchrend erwiesen, weder konnten die Kosten gesenkt noch ein erw\u00fcnschtes Fanverhalten bewirkt werden. Die repressiven Konzepte sind veraltet und es gibt weder wissenschaftliche Belege, noch Beispiele aus der Praxis, dass sie tauglich sind. \u00abDialog ist der einzige erprobte und wissenschaftlich belegte L\u00f6sungsansatz.\u00bb (Chief Superintendent Owen West von der West Yorkshire Police)<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Paradigmenwechsel w\u00fcrde dazu beitragen, nicht nur die Polizeikosten, sondern ebenso den Verwaltungsaufwand der Direktion Sicherheit zu senken und damit Ressourcen f\u00fcr andere Aufgaben zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dank der dialogorientierten Strategie ist auch mit einer Verringerung von Straftaten zu rechnen. Andere Ursachen von deviantem Verhalten, die auf individueller Ebene liegen oder in Zusammenhang mit gesellschaftlichen, \u00f6konomischen und politischen Umst\u00e4nden stehen, k\u00f6nnen mit dieser Strategie nicht behoben werden. Es kann daher nicht der Anspruch sein, alle Straftaten in Zusammenhang mit Fussballfans mit diesen Massnahmen verhindern zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6gliche urs\u00e4chliche Gr\u00fcnde zahlreicher Zwischenf\u00e4lle und Auseinandersetzungen, die mit dem dialogorientierten Ansatz beeinflusst werden k\u00f6nnen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Unverh\u00e4ltnism\u00e4ssiges oder taktisch fragw\u00fcrdiges (z.B. Missachtung der n\u00f6tigen Distanz) polizeiliches Verhalten<\/li>\n\n\n\n<li>Fehlende oder missverst\u00e4ndliche Kommunikation<\/li>\n\n\n\n<li>Nicht ausreichende Bereitschaft der Stadtbeh\u00f6rden auf Fananliegen einzugehen und ein kaum vorhandenes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Wesen und die Dynamik der wohl gr\u00f6ssten und aktivsten st\u00e4dtischen Jugendkulturszene<\/li>\n\n\n\n<li>Von der Fanszene als illegitim betrachtete Kollektivstrafen<\/li>\n\n\n\n<li>Fehlende Vertrauensbasis zwischen Fans einerseits und der Polizei und Stadtbeh\u00f6rden andererseits<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Neue Strategie<\/p>\n\n\n\n<p>Der dialogorientierte Ansatz im Management von Fussballfans soll in einem mehrj\u00e4hrigen (mindestens drei Jahre) Pilotversuch unter wissenschaftlicher Begleitung durch die Forschungsstelle Gewalt bei Sportveranstaltungen am Institut f\u00fcr Sportwissenschaften der Uni Bern durchgef\u00fchrt werden. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Finanzierung m\u00fcsste sichergestellt werden, z.B. durch Bund, Kanton BE, Stadt Thun, SFL.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr \u00fcber die Hintergr\u00fcnde und praxisnahe Erkl\u00e4rung des dialogorientierten Ansatzes sowie weitere Erkenntnisse \u00fcber die Einfl\u00fcsse auf Fanverhalten (z.B. Good Hosting bei den Einlasskontrollen) findet sich im Anhang, empfehlenswert sind insbesondere die Beispiele aus Stockholm und West Yorkshire (S.5-8). In West Yorkshire konnten dank dem sicherheitspolitischen Strategiewechsel die Polizeikosten nachweislich gesenkt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Strategie in Stockholm und West Yorkshire wurden und werden wissenschaftlich begleitet. Die wissenschaftliche Evidenz f\u00fcr die Wirksamkeit dieser Ans\u00e4tze ist klar vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige m\u00f6gliche Elemente des dialogorientierten Ansatzes:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Einsatz spezifischer, polizeilicher Dialogteams mit fundierter Ausbildung. Die KaPo Bern verf\u00fcgt bereits \u00fcber Dialogteams und setzt diese auch ein. Was es aber bedarf, ist ein spezifisches &#8220;Dialogteam Sport&#8221;, welches sich intensiv mit den Fans und der Fankultur auseinandersetzt und am Ball bleibt.<\/li>\n\n\n\n<li>Grundsatz in der Polizeitaktik: Ordnungsdienst-Einheiten im Hintergrund, Einsatz von Dialogteams im Vordergrund<\/li>\n\n\n\n<li>Immer die gleichen Personen der Sicherheitskr\u00e4fte \u00fcbernehmen die Dialogaufgabe, dadurch kann dank Beziehungsarbeit, Verl\u00e4sslichkeit, klarer und offener Kommunikation Vertrauen hergestellt werden und der gegenseitige Informationsfluss wird verbessert und zuverl\u00e4ssiger.<\/li>\n\n\n\n<li>Trennung der Aufgaben und Kompetenzen zwischen den polizeilichen Dialogteams und den Spottern (Dialogteams: unbewaffnet und Verzicht von Anzeigen im Rahmen der Verh\u00e4ltnism\u00e4ssigkeit, soweit beides der rechtliche Spielraum zul\u00e4sst)<\/li>\n\n\n\n<li>Die polizeilichen Dialogteams sind auch ausserhalb von Spieltagen unterwegs und suchen gezielt die Treffpunkte der Fans auf. Einerseits um in Beziehung zu treten, resp. die Beziehungen zu pflegen, andererseits um auf m\u00f6gliches deviantes\/unerw\u00fcnschtes Verhalten wie Schl\u00e4gereien im \u00f6ffentlichen Raum, Sprayen, Tagen, Auseinandersetzungen mit privaten Sicherheitsdiensten etc. pr\u00e4ventiv einzuwirken.<\/li>\n\n\n\n<li>Abkehr von Kollektivstrafen (z.B. keine Auflagen im Rahmen des Hooligan-Konkordates), die als gr\u00f6sste Kostentreiber bezeichnet werden k\u00f6nnen und die Gewaltspirale anheizen. Massnahmen, welche das Hooligan-Konkordat f\u00fcr Einzelt\u00e4ter*innen vorsieht, wie Rayonverbote, Meldeauflagen, Ausreisesperren, bleiben bestehen.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00dcbereinstimmende Grundsatzhaltung aller Stakeholder:<ul><li>Fans d\u00fcrfen nicht pauschal als Kriminelle angesehen werden<\/li><\/ul><ul><li>Fankurven funktionieren nach massenpsychologischen Prozessen und diese Dynamiken k\u00f6nnen entsprechend beeinflusst werden<\/li><\/ul><ul><li>Das Verhalten der Polizei hat einen eminenten Einfluss auf das Fanverhalten<\/li><\/ul><ul><li>Die Fans gelten als gleichwertige Gespr\u00e4chspartner*innen<\/li><\/ul>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Im Zentrum steht der vertrauensvolle Beziehungsaufbau zwischen allen Beteiligten<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n\n\n\n<li>Weiterbildung der mit dem Thema tangierten st\u00e4dtischen Mitarbeiter*innen im Umgang mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen.<\/li>\n\n\n\n<li>Einf\u00fchrung sozioprofessioneller Fanarbeit (u.a. als zentrale Vermittlungsstelle zwischen den Stakeholdern).<\/li>\n\n\n\n<li>Bereitschaft aller Beteiligten, die neue Strategie weiterzuverfolgen, trotz zu erwartenden R\u00fcckschl\u00e4gen\/Zwischenf\u00e4llen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die dialogbasierten Ans\u00e4tze gehen zur\u00fcck bis zur EURO 2004. Die Strategie ist l\u00e4ngst gesetzlich verankert. Einerseits in der klassischen schweizerischen Polizeitaktik (&#8220;3D &#8211; Dialog, Deeskalation, Durchgreifen&#8221;), insbesondere aber auch im aktuellen &#8220;\u00dcbereinkommen des Europarats \u00fcber einen ganzheitlichen Ansatz f\u00fcr Sicherheit, Schutz und Dienstleistungen bei Fussballspielen und anderen Sportveranstaltungen&#8221;, welches gerade letztes Jahr vom Bundesrat verabschiedet wurde<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> oder siehe auch das originale Abkommen, vgl. v.a. Artikel 8.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Dialog-Ansatz ist in Thun mit der Arbeitsgruppe Pr\u00e4vention bereits vorhanden: Leitung durch Fanarbeit Schweiz, weitere Teilnehmende sind Fanvertretungen, FC Thun, Polizei Thun, Chef st\u00e4dtische Abteilung Sicherheit, Leiter st\u00e4dtische Fachstelle Kinder und Jugend.<\/p>\n\n\n\n<p>Stakeholder:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Fans<\/li>\n\n\n\n<li>Fanarbeit<\/li>\n\n\n\n<li>Polizei<\/li>\n\n\n\n<li>st\u00e4dtische Beh\u00f6rden<\/li>\n\n\n\n<li>FC Thun (inkl. Fanbeauftragte\/r und Leiter*in Sicherheit)<\/li>\n\n\n\n<li>SFL<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt Thun w\u00fcrde sich aus mehreren Gr\u00fcnden f\u00fcr ein Pilotprojekt eignen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Zahlreiche Anh\u00e4nger*innen der zwei gegnerischen Superleague-Clubs FC Thun und BSC YB wohnen im Einzugsgebiet und begegnen sich auch ausserhalb der Spieltage. Solche Begegnungen enden mehrfach in gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen im \u00f6ffentlichen Raum.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Auflagen des Hooligan-Konkordates wurden in Thun am Konsequentesten angewandt \u2013 ohne R\u00fcckgang der Zwischenf\u00e4lle und ohne Verringerung der Polizeikosten.<\/li>\n\n\n\n<li>Thun hat eine \u00fcberschaubare Gr\u00f6sse. Fussballfans und ihr Verhalten (Auftreten in Gruppen, Fanm\u00e4rsche, Sprayen, Tags, Sticker) fallen auf und werden von einem grossen Teil der Bev\u00f6lkerung als Problem wahrgenommen.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Thema ist medial und politisch stark pr\u00e4sent.<\/li>\n\n\n\n<li>Es sind detaillierte Daten zur Erfassung der Ausgangslage vorhanden.<\/li>\n\n\n\n<li>Es bestehen Erfahrungen im Dialog, der aber von verschiedener Seite immer wieder abgebrochen wurde.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Verhalten der Polizei Thun, insbesondere der Spotter (szenenkundige Beamte), wird von den Fans als ausgesprochen schikan\u00f6s empfunden, es besteht eine grosse Abneigung und ein immenses (gegenseitiges) Misstrauen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Radikalisierung der Thuner Fankurve ist noch nicht so weit fortgeschritten, als dass kein Zugang zu ihr mehr m\u00f6glich w\u00e4re.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.ejpd.admin.ch\/ejpd\/de\/home\/aktuell\/news\/2018\/2018-06-272.html\">https:\/\/www.ejpd.admin.ch\/ejpd\/de\/home\/aktuell\/news\/2018\/2018-06-272.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.ejpd.admin.ch\/dam\/data\/fedpol\/aktuell\/news\/2017\/2017-06-28\/abkommen-e.pdf\">https:\/\/www.ejpd.admin.ch\/dam\/data\/fedpol\/aktuell\/news\/2017\/2017-06-28\/abkommen-e.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"template":"","vorstossthema":[15859,15869],"vorstosstyp":[15933],"vorstossstatus":[],"cpt-canton":[1566],"class_list":["post-153249","vorstoesse","type-vorstoesse","status-publish","hentry","vorstossthema-culture-sports-et-loisirs","vorstossthema-ordre-et-securite-publics","vorstosstyp-postulat-fr","cpt-canton-berne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstoesse\/153249","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstoesse"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/vorstoesse"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstoesse\/153249\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=153249"}],"wp:term":[{"taxonomy":"vorstossthema","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstossthema?post=153249"},{"taxonomy":"vorstosstyp","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstosstyp?post=153249"},{"taxonomy":"vorstossstatus","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstossstatus?post=153249"},{"taxonomy":"cpt-canton","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/cpt-canton?post=153249"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}