{"id":181114,"date":"2026-03-30T11:49:03","date_gmt":"2026-03-30T09:49:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/?post_type=vorstoesse&#038;p=181114"},"modified":"2026-03-30T11:50:54","modified_gmt":"2026-03-30T09:50:54","slug":"interpellation-doris-koeniger-und-marlene-schuerch-fuer-alle-menschen-unabhaengig-vom-geschlecht-gendergerechte-planung-von-oeffentlichen-einrichtungen-schriftlich","status":"publish","type":"vorstoesse","link":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/vorstoesse\/interpellation-doris-koeniger-und-marlene-schuerch-fuer-alle-menschen-unabhaengig-vom-geschlecht-gendergerechte-planung-von-oeffentlichen-einrichtungen-schriftlich\/","title":{"rendered":"Interpellation Doris K\u00f6niger und Marl\u00e8ne Sch\u00fcrch: F\u00fcr alle Menschen, unabh\u00e4ngig vom Geschlecht: Gendergerechte Planung von \u00f6ffentlichen Einrichtungen; schriftlich"},"content":{"rendered":"<p>Doris K\u00f6niger und Marl\u00e8ne Sch\u00fcrch sowie 27 mitunterzeichnende Mitglieder des Stadtparlaments reichten am 6. Juli 2021 die beiliegende Interpellation \u00abF\u00fcr alle Menschen, unabh\u00e4ngig vom Geschlecht: Gendergerechte Planung von \u00f6ffentlichen Einrichtungen\u00bb ein.<\/p>\n<p>Der Stadtrat beantwortet die Interpellation wie folgt:<\/p>\n<h3>1. Ausgangslage<\/h3>\n<p>Der Begriff \u00abGender\u00bb umfasst nicht nur die biologischen Unterschiede zwischen Frauen und M\u00e4nnern, sondern zeigt soziale Rollen und die Erwartungen der Gesellschaft an unterschiedliche Personengruppen. Das anerzogene Geschlecht und die entsprechenden gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und M\u00e4nner sowie das Verhalten sind ver\u00e4nderbar und unterscheiden sich sowohl innerhalb als auch zwischen den Kulturen. Gendergerechte Planung will die Chancengleichheit durch r\u00e4umliche Strukturen f\u00f6rdern und erm\u00f6glichen. Ungleichheiten in Bezug auf Geschlecht, Alter, Herkunft, Lebensweise und soziale Lage gilt es w\u00e4hrend der Planung aufzuzeigen. Gendergerechte Planung ist eine differenzierte Planungskultur, welche die Anliegen unterschiedlicher Personengruppen einschliesst. Bei einer Gendergerechten Planung ist daher die Kenntnis der Anliegen der Anspruchsgruppen (insbesondere der Minderheiten) unerl\u00e4sslich.<sup>1<\/sup><\/p>\n<p>Bereits im Jahr 1998 wurde im Auftrag der Stadtplanung mit der Gruppe \u00abFrauen-Stadt-Wohnen\u00bb der Bericht \u00abUn-Orte\u00bb erstellt. Im Bericht ging es um st\u00e4dtische R\u00e4ume und die M\u00f6glichkeiten, das Sicherheitsempfinden in diesen R\u00e4umen zu erh\u00f6hen. Der Frauenpavillon im Stadtpark, der von der Gruppe \u00abFrauen-Stadt-Wohnen\u00bb initiiert wurde, bot die Gelegenheit, von Direktbetroffenen zu erfahren, warum sie gewisse Orte meiden und Angst haben, diese aufzusuchen. Innerhalb der Stadtplanung wurde daraufhin im Jahr 1999 die Fachstelle f\u00fcr Sicherheit im Stadtraum eingerichtet. Die Fachstelle befasste sich vorwiegend mit der Beurteilung von sicherheitsrelevanten Themen bei Planungen und Projektierungen und erarbeitete Beratungsgrundlagen. Die Arbeit der Fachstelle konnte mitbewirken, dass in der Bauordnung der Sicherheitsartikel (Art. 52) aufgenommen wurde. In der Folge wurde das Amt f\u00fcr Baubewilligungen zust\u00e4ndig f\u00fcr das Thema \u00abSicherheit in der gebauten Umwelt\u00bb. Zudem wird im Rahmen von Sondernutzungsplanungen das Thema Sicherheit als Artikel in den \u00abBesonderen Vorschriften\u00bb aufgenommen.<\/p>\n<p>Die den Stadtrat beratende Kommission f\u00fcr Gender- und Familienfragen (KGFF) befasst sich mit den Themen der Chancengleichheit und der Gleichstellung der Geschlechter, der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben sowie der St\u00e4rkung und Unterst\u00fctzung von Familien in der Stadt St.Gallen. Im sogenannten Aktionsplan, welchen der Stadtrat im Jahr 2013 genehmigt hat, wurden verschiedene Themen aufgenommen und daraus Handlungsfelder abgeleitet. Der Aktionsplan stellt eine Empfehlung der KGFF an den Stadtrat dar. Dabei hat die KGFF verschiedene Schwerpunkte und Handlungsfelder festgelegt und entsprechend Ziele gesetzt. Ziele aus dem Aktionsplan sind unter anderem Sicherheit und Wohlbefinden der Bev\u00f6lkerung der Stadt St.Gallen im \u00f6ffentlichen Raum und die gerechte Verteilung der st\u00e4dtischen Ressourcen und Dienstleistungen zugunsten aller Bewohnerinnen und Bewohner. Zudem hinterfragt der von der Kommission erarbeitete Aktionsplan stereotype Rollenbilder mit der Absicht, diese aufzubrechen. Pr\u00e4vention und Abbau geschlechterspezifischer Diskriminierung und Gewalt sind ein weiteres Handlungsfeld der KGFF. Gleichzeitig nimmt die KGFF aktuelle Themen auf und pr\u00fcft die M\u00f6glichkeiten der Stadt, Ungleichheiten abzubauen bzw. zu verhindern.<\/p>\n<h3>2. Beantwortung und Fragen<\/h3>\n<ol>\n<li><em>Verfolgt die Stadt Gallen eine gendergerechte Planungskultur? Welche Massnahmen (z.B. Be- d\u00fcrfnisanalysen, Ausschreibungskriterien, gemischte Gremien, Planungsempfehlungen, Beizug von Fachexpertise) werden hierzu getroffen<\/em>?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Stadtrat und das Stadtparlament haben im April 2020 ein neues Partizipationsreglement erlassen. Ziel des neuen Reglements ist der Aufbau einer Partizipationskultur in der Stadt St.Gallen. Im \u00f6ffentlichen Raum oder bei partizipativ durchgef\u00fchrten Verfahren erhalten diverse Anspruchsgruppen die M\u00f6glichkeit, ihre Anliegen zu \u00e4ussern und auf ihre Bed\u00fcrfnisse aufmerksam zu machen. Eine Herausforderung bleibt dabei die Ber\u00fccksichtigung der Anliegen von Minderheiten. Sozialr\u00e4umliche Analysen und Genderexpertisen k\u00f6nnten helfen, m\u00f6glichst alle Anspruchsgruppen bei Bedarfsabkl\u00e4rungen zu ber\u00fccksichtigen und eine gendersensible und gendergerechte Planung zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Die Stadt legt bei st\u00e4dtischen Varianzverfahren die Ausschreibungskriterien und die Zusammensetzung des Beurteilungsgremiums fest. Dabei wird bestm\u00f6glich auf eine ausgeglichene Verteilung der Geschlechter innerhalb der Beurteilungsgremien geachtet. Ebenso werden bei Offertanfragen oder Direktvergaben Planerinnen und Planer angefragt und sofern m\u00f6glich ausgeglichen ber\u00fccksichtigt. Bei Wettbewerbsverfahren, die von externen Bauherrschaften durchgef\u00fchrt werden, gibt die Stadt Empfehlungen zur Zusammensetzung der Jury und bei eingeladenen Wettbewerben oder Studienauftr\u00e4gen auch Empfehlungen betreffend m\u00f6glichen einzuladenden Planerinnen ab. Weitergehende Massnahmen zur Gendergerechtigkeit wurden bislang nicht getroffen (siehe auch Antwort auf Frage 2).<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><em>Wo sieht die Stadt Gallen bei sich Verbesserungspotenzial im Bereich der gendergerechten Planung?<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Um Planungen gendergerecht durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen Mitarbeitende der Stadtverwaltung mit dem Thema der gendersensiblen Planung vertraut sein. Einen Beitrag zur Sensibilisierung kann die Kommission f\u00fcr Gender- und Familienfragen (KGFF) leisten. Referate und Diskussionen mit Fachpersonen k\u00f6nnen in der Kommission aufzeigen, wie Bed\u00fcrfnisse von Minderheiten besser ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen. Daraus lassen sich spezifische Handlungsempfehlungen ableiten, die dem Stadtrat im Aktionsplan beantragt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Weiteres Verbesserungspotential liegt in der Bedarfskl\u00e4rung. Relevante Raumanspr\u00fcche und Bed\u00fcrfnisse von Minderheiten sollen dabei Geh\u00f6r finden. Dabei k\u00f6nnen Partizipation und ein punktueller Beizug von Genderexpertinnen und Genderexperten hilfreich sein.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><em>Wie nimmt die Stadt Gallen die Bed\u00fcrfnisse von inter, trans und nichtbin\u00e4ren Menschen in ihrer Planung auf? Bindet sie diese in die relevanten Prozesse ein?<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Organisation \u00abTransgender Network Switzerland\u00bb (TGNS) geht von einer Dunkelziffer bei trans- identen und nichtbin\u00e4ren Menschen von 3 % der Bev\u00f6lkerung aus.<sup>2<\/sup> Respekt und Toleranz gegen\u00fcber Geschlechtsidentit\u00e4t gilt es bereits in fr\u00fchen Jahren zu vermitteln. Internationale Studien belegen, dass Transpersonen in allen Bereichen des t\u00e4glichen Lebens und in allen Altersstufen massiven Diskriminierungen ausgesetzt sind. Diese reichen von Benachteiligung und Ablehnung \u00fcber Bel\u00e4stigungen bis hin zu Gewalt.<sup>3<\/sup><\/p>\n<p>Die Bed\u00fcrfnisse von intersexuellen, transidenten und nichtbin\u00e4ren Menschen wurden bislang in Bedarfsanalysen und Planungsprozessen nicht ber\u00fccksichtigt. Bedarfskl\u00e4rungen im Zusammenhang mit Raumprogrammen f\u00fcr ein st\u00e4dtisches Geb\u00e4ude erfolgen in der Regel gemeinsam mit den Nutzenden oder mit Nutzendenvertreterinnen und Nutzendenvertretern. Es wurden bislang keine Genderexpertisen f\u00fcr die Bedarfskl\u00e4rungen durchgef\u00fchrt. Der Beizug von Fachpersonen innerhalb eines Projektteams oder vorg\u00e4ngig zur Bedarfskl\u00e4rung kann in Betracht gezogen werden.<\/p>\n<p>Auch denkbar ist die Einrichtung eines runden Tischs. Verschiedene Positionen zum Thema gendersensible Planung k\u00f6nnten so zusammengebracht werden. Ziel dieses runden Tischs sollte eine Verbesserung der Lebensbedingungen der LGBTQIA+-Gemeinschaft<sup>4<\/sup> sein. Ebenfalls kann ein runder Tisch zur Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren vor Ort beitragen.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><em>Wie steht die Stadt Gallen zur F\u00f6rderung genderneutraler Anlagen im \u00f6ffentlichen Raum oder in \u00f6ffentlichen Einrichtungen (bzw. \u00f6ffentlich mitfinanzierten Bauten) wie All-Gender Restrooms oder <\/em><em style=\"font-size: revert; color: initial;\">-Umkleider\u00e4umen?<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Betreten etwa eines Frauen- oder M\u00e4nner-WCs wird f\u00fcr Menschen, die sich g\u00e4nzlich oder zum Teil nicht dem bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht zugeh\u00f6rig f\u00fchlen oder sich nicht entscheiden wollen oder k\u00f6nnen, oft zum Problem. Zus\u00e4tzliche genderneutrale Nasszellen k\u00f6nnten dabei hilfreich sein und das Sicherheitsempfinden erh\u00f6hen. Im \u00f6ffentlichen Raum hat sich gezeigt, dass genderneutrale WC-Anlagen funktionieren, sofern sie regelm\u00e4ssig gereinigt werden und der Zugang sicher ist. Ausschliesslich genderneutrale WC-Anlagen oder Umkleidekabinen zu bauen, sollte indes nicht das Ziel sein.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend bei Neubauprojekten eine gendersensible Bestellung die unterschiedlichen Bed\u00fcrfnisse von Beginn an in den Planungs- und Bauprozess einbringen soll, kann im Bestand mit einfachen Massnahen unmittelbar reagiert werden. Beispielsweise wird zurzeit eine Toilettenanlage im Lagerhaus auf Anregung der Kunst Halle Sankt Gallen in eine genderneutrale Toilettenanlage umger\u00fcstet und entsprechend signalisiert. Solche einfachen baulichen Massnahmen k\u00f6nnen wertvolle Erkenntnisse zum Nutzungsverhalten liefern, die k\u00fcnftig in den Bestell-, Planungs- und Bauprozess einfliessen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><sup>1<\/sup> LARES, Verein f\u00fcr gender- und alltagsgerechtes Planen &amp; Bauen, GenderKompass Planung, April 2021; Stadtentwicklung und Stadtplanung der Stadt Wien, \u00abGender Mainstreaming\u00bb, 2013.<\/p>\n<p><sup>2<\/sup> Telefonische Auskunft Alecs Recher von TGNS (Angaben aus Studie aus Deutschland), 23. August 2021.<\/p>\n<p><sup>3<\/sup> J. Franzen \/ A. Sauer: Benachteiligung von Trans*Personen, insbesondere im Arbeitsleben, herausgegeben von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes Deutschland, 2010.<\/p>\n<p><sup>4<\/sup> Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer\/Questioning, Intersex, Asexual\/Aromantic und alle anderen.<\/p>\n<p>Die Stadtpr\u00e4sidentin:<\/p>\n<p>Maria Pappa<\/p>\n<p>Der Stadtschreiber:<\/p>\n<p>Manfred Linke<\/p>\n<p>Beilage:<\/p>\n<ul>\n<li>Interpellation vom Juli 2021<\/li>\n<\/ul>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"template":"","vorstossthema":[15868,15896,15862],"vorstosstyp":[15930],"vorstossstatus":[],"cpt-canton":[15964],"class_list":["post-181114","vorstoesse","type-vorstoesse","status-publish","hentry","vorstossthema-administration-publique-participation-et-smart-city","vorstossthema-autre","vorstossthema-politique-du-logement-et-politique-fonciere-urbanisme","vorstosstyp-interpellation-fr","cpt-canton-saint-gall"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstoesse\/181114","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstoesse"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/vorstoesse"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstoesse\/181114\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":181122,"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstoesse\/181114\/revisions\/181122"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=181114"}],"wp:term":[{"taxonomy":"vorstossthema","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstossthema?post=181114"},{"taxonomy":"vorstosstyp","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstosstyp?post=181114"},{"taxonomy":"vorstossstatus","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/vorstossstatus?post=181114"},{"taxonomy":"cpt-canton","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sp-ps.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/cpt-canton?post=181114"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}