Der explodierende Arbeitskräftemangel und seine Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung im Alter: Auch und gerade deshalb braucht es ein Nein zur SVP-Initiative am 14. Juni.
von Ursula Blaser, Präsidentin Arbeitsgruppe Gesundheit der SP60+
In der Schweiz werden jedes Jahr mehr Menschen pensioniert als es Junge gibt, die in den Arbeitsmarkt eintreten. Dadurch fehlen uns immer mehr Arbeitskräfte in den verschiedensten Branchen: sei es im Bau- und Baunebengewerbe, in der Gastronomie, der Reinigungsbranche, der Logistik oder, am augenfälligsten, in der Gesundheitsversorgung.
Bereits heute kann die ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung nicht mehr sichergestellt werden, weil 15’000 Fachkräfte fehlen und die Lücke bis 2030 auf 30’000 Personen anwachsen wird.
Die Schweizer Bevölkerung wird älter und die demografische Entwicklung wird sich in den nächsten zwei Jahrzehnten weiter beschleunigen. Bis 2040 wird die Zahl der Personen, die 65 Jahre oder älter sind, voraussichtlich um die Hälfte zunehmen. Die Zunahme von Personen ab 80 Jahren dürfte sich fast verdoppeln. Diese rasche Zunahme stellt die Gesundheitsversorgung vor grosse Herausforderungen. Neben institutionalisierten Lösungen muss auch die Betreuungspolitik dringend angepasst werden, wobei der Bedarf an Begleitung und das Bedürfnis nach Autonomie zu berücksichtigen sind.
In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Begriff «Betreuung» immer noch im Zusammenhang mit Pflege gesehen. Doch darunter fallen Leistungen, die nicht finanziell durch eine Sozialversicherung abgedeckt werden. Pflegeleistungen werden über die Krankenversicherung finanziert, Betreuungsleistungen hingegen separat abgerechnet, und die Kosten für Betreuung und Alltagsunterstützung gehen zu Lasten der Bezüger:innen und belasten bei zunehmender Inanspruchnahme das Haushaltbudget stark.
Die Arbeitsgruppe Gesundheit der SP60+hat bereits vor drei Jahren ein Positionspapier zur Thematik vorgelegt, das an der Delegiertenversammlung vom 10. Januar 2023 verabschiedet worden ist.
zum Positionspapier der SP60+ für eine integrative Alterspolitik