André Liechti über die November-DV der SP60+

Obwohl das Thema Gesundheit dieses Jahr im Mittelpunkt der Aktivitäten der SP60+ Schweiz steht, hat der Vorstand auf den Wunsch der Delegierten aus dem Kanton Thurgau reagiert, die sich wünschen, dass sich die SP60+ mit Europapolitik und Migration befasst.

Quelle: Bericht von André Liechti zur DV der SP60+ vom 21. November 2025

Dieses Thema wurde daher von Mattea Meyer, Co-Präsidentin der SP Schweiz, vorgestellt.. Aus Respekt gegenüber der Minderheit der Delegierten aus der Westschweiz begann sie ihre Ausführungen auf Französisch und sprach zunächst über die Position der SP Schweiz zu den Bilateralen III und zur Kündigungsinitiative.

Ich schätze es sehr, wie sehr Mattea sich um den Menschen, das Wohlergehen der Familie und die Zukunft der Kinder sorgt, wenn sie relativ komplexe politische Themen anspricht. In diesem Sinne erinnert sie daran, dass die ausgehandelten bilateralen Abkommen, auch wenn sie nicht perfekt sind, vielen Menschen, die aus anderen Ländern gekommen sind, um in der Schweiz zu leben und zu arbeiten, Stabilität und Sicherheit bieten. Im Gegensatz zu den USA, wo der Stärkere dem Schwächeren sein Gesetz aufzwingt, ist die EU, unsere wichtigste Handelspartnerin, eine der letzten internationalen Institutionen, die ihre Verpflichtungen verteidigt und einhält. Die bilateralen Abkommen in ihrer ausgehandelten Form gewährleisten flankierende Massnahmen, den Schutz der Löhne und Mindestlöhne. Die SP wird sich entschlossen gegen die sogenannte Kündigungsinitiative der SVP wehren, die darauf abzielt, die bilateralen Abkommen mit der EU, insbesondere das Abkommen über den freien Personenverkehr, zu beenden. Die wirtschaftlichen und migrationspolitischen Folgen wären für die Schweiz verheerend, da sie den Fach- und Arbeitskräftemangel insbesondere im Gesundheitswesen verschärfen und Lohndumping Tür und Tor öffnen würden. Glücklicherweise hat das Parlament die Initiative ohne Gegenvorschlag abgelehnt. Mattea wies auch auf die Gefahr hin, die von der perfiden Initiative der SVP «Keine 10-Millionen-Schweiz!» ausgeht, die irreführenderweise auch als «Nachhaltigkeitsinitiative» bezeichnet wird und die Zukunft der rund 1,9 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausländischer Staatsangehörigkeit gefährden würde, die für unseren Wohlstand sorgen. Ganz zu schweigen vom Schicksal der schwächsten Menschen, insbesondere der Flüchtlinge. Abschliessend kritisierte Mattea den populistischen Weg des Rückzugs, den die SVP vorschlägt und der von Trump, der AfD oder Le Pen gepredigt wird. Sie plädierte für eine Schweiz der Solidarität, die die Menschenrechte achtet.

Nach dieser kämpferischen und engagierten Rede unserer Co-Präsidentin der SP Schweiz, führte uns Christoph Graf, ehemaliger Direktor des Schweizerischen Bundesarchivs, in die spannende Geschichte der Schweizer Migration zwischen Offenheit und Isolation ein. Es ist schwierig, einen so reichhaltigen Vortrag zusammenzufassen. Einleitend erwähnte er einige allgemeine Aspekte:

  • Migration ist historisch gesehen überall und seit jeher eine Normalität.
  • Migration ist ein integraler Bestandteil der sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklung auf lokaler, regionaler, nationaler, kontinentaler und globaler Ebene, insbesondere in Zeiten starker wirtschaftlicher Dynamik und politischer Konflikte.
  • Die Geschichte der Schweiz ist eine Migrationsgeschichte, die seit jeher stark im internationalen Kontext verankert ist.
  • In der heutigen Schweiz machen «Ausländer» 25 Prozent der Bevölkerung aus, und 40 Prozent haben einen «Migrationshintergrund».
  • Erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Schweiz von einem Auswanderungsland zu einem Einwanderungsland.

So war die Schweiz vom 16. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund von Bevölkerungsdruck, Armut, Unterbeschäftigung und Krisen in der Landwirtschaft und Wirtschaft ein Auswanderungsland. Unter den zahlreichen von Christoph Graf beschriebenen Details ist mir die relativ junge Geschichte der Massenauswanderung nach Nordamerika zwischen 1850 und 1930 aufgefallen, bei der jährlich zwischen 35’000 und 90’000 Menschen das Land verliessen.

Im Zusammenhang mit der Einwanderung in die Schweiz erinnerte Christoph Graf daran, dass die Vorfahren der modernen Schweiz Einwanderer waren, nämlich der keltische Stamm der Helvetier, der im 1. Jahrhundert v. Chr. aus Osteuropa einwanderte und von den römischen Soldaten unter Cäsar daran gehindert wurde, seine Wanderung nach Südfrankreich fortzusetzen. Er liess sich auf dem Gebiet der heutigen Schweiz nieder.

Der Redner wies darauf hin, dass Einwanderung in der Schweiz erst seit 1848, der Gründung des modernen Schweizer Bundesstaates, offiziell und formell stattfindet. Nachdem er Beispiele für bedeutende Einwanderungswellen im Laufe der Jahrhunderte genannt hatte, ging er näher auf diejenigen ein, welche die jüngste Geschichte zwischen 1800 und heute geprägt haben. Ich habe das «Jahrhundert der Italiener» zwischen 1870 und 1970 mit etwa 5 Millionen Arbeitern für den Bau von Grossprojekten hervorgehoben. Ich habe die Stagnation der Migration während des Ersten Weltkriegs erwähnt, als «Ausländer» zu einer Bedrohung wurden. Auch während des Zweiten Weltkriegs kam es zu einer Verschärfung der restriktiven Politik gegenüber Flüchtlingen, da das «Boot voll ist», was zur skandalösen Ausweisung von 20’000 jüdischen Flüchtlingen führte. Seit etwa 1950 ist die Einwanderung der wichtigste Faktor für das Bevölkerungswachstum in der Schweiz. Erinnern wir uns an die problematische Aufnahme von temporären Einwanderern und an den berühmten Satz von Max Frisch: «Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen», die während der Wirtschaftskrise der 1970er Jahre wieder ausgereist sind. Sie wurden ausgewiesen, um als «konjunktureller Puffer» zu dienen. Christoph Graf geht noch näher auf den starken Anstieg der Asylgesuche seit 1985 und die Volksabstimmungen und Initiativen zum Thema Einwanderung ein.

Abschliessend bekräftigt er, dass wir aufgrund der demografischen Entwicklung dringend und in grossem Umfang ausländische Arbeitskräfte benötigen, um unseren wirtschaftlichen und sozialen Status zu erhalten.

Über die Zahlen hinaus zieht Christoph Graf aufgrund der positiven Auswirkungen auf kultureller, wirtschaftlicher und politischer Ebene eine insgesamt positive Bilanz der Einwanderung in die Schweiz.

Um über die Notwendigkeit und die Hindernisse einer offenen Schweizer Migrationspolitik zu sprechen, ergriffen zwei Vertreter der SP Migrant:innen Schweiz das Wort. Halua Pinto de Magalhães verteidigte die Vielfalt als Gleichberechtigung für alle mit Hilfe von repräsentativen Bildern, von denen einige sehr schlechte Erinnerungen wachrufen. Er setzt insbesondere auf eine bessere Vertretung in den politischen Gremien, um der Schweiz «die Vision einer demokratischen Migrationsgesellschaft» zu vermitteln.

Athushan Thavarajasingam beschrieb uns ein Migrationsbeispiel im Zusammenhang mit der dramatischen Situation, mit der die tamilische Bevölkerung von Eelam in Sri Lanka konfrontiert ist. Er schilderte uns die seit 1948 andauernde Entrechtung, Gewalt und Kriegsverbrechen, denen die Tamilen ausgesetzt sind. Er plädierte für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Solidarität mit den Betroffenen und der Diaspora. Die dramatische Lage der tamilischen Bevölkerung veranlasste die SP Migrant:innen, eine Resolution zu verfassen, die vom Kongress in Sursee am 25. Oktober 2025 verabschiedet wurde.

Nach einer willkommenen Pause zum Essen, aber auch zum Verdauen der vielen Informationen, ging Christiane Aeschmann, Geschäftsleitungsmitglied der SP60+, auf eine zehn Punkte umfassende Argumentation für eine europa- und menschenfreundliche Schweizer Migrationspolitik ein und kommentierte diese. Die anschliessende Diskussion führte zu einigen Vorschlägen, die in das Dokument aufgenommen werden. Dieses wird bei einer der nächsten Delegiertenversammlungen verabschiedet werden. Es wird den kantonalen Gruppen der SP60+ in Debatten, Wahlkampagnen und Abstimmungskampagnen nützlich sein, die wir in naher Zukunft entschlossen führen müssen.

zum vollständigen Bericht von André Liechti

Beitrag teilen:

Facebook
Twitter
LinkedIn
Animation laden...Animation laden...Animation laden...

Newsfeed

Secret Link

Newsletter abonnieren

Du hast Fragen zur Mitgliedschaft oder dem Mitgliedschaftsformular? Wir helfen gerne.

Häufige Fragen

Am einfachsten, indem Du online das Beitrittsformular nebenan ausfüllst.

Du kannst selbst entscheiden, welches Engagement für Dich am besten passt.

  • Wenn Du wenig Zeit hast, ist es absolut in Ordnung, wenn Dein Engagement sich vor allem darauf beschränkt, Deinen Mitgliederbeitrag zu bezahlen. Auch das hilft uns sehr, um die Schweiz und die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
  • Die Sektion, bei welcher Du Mitglied bist, wird Dich eventuell hin und wieder anfragen, ob Du Zeit hättest, bei einer Standaktion, einer Unterschriftensammlung oder einer Telefonaktion mitzumachen. Falls Dir das zusagt, sind wir sehr froh darüber – aber es ist natürlich völlig freiwillig.
  • Die meisten Sektionen führen regelmässig Mitgliederversammlungen durch, um die aktuellsten politischen Themen und Aktivitäten zu besprechen. Die Teilnahme daran ist natürlich ebenfalls völlig freiwillig. Aber es kann ein guter Ort sein, um neue Leute kennenzulernen.
  • Falls Dich ein Themengebiet besonders bewegt, kannst Du Dich in einer Themenkommission der SP Schweiz oder Deiner Kantonalpartei engagieren, oder in einer der Unterorganisationen wie den SP Frauen, den SP Migrant:innen, der SP 60+ oder der SP queer.
  • Häufig gibt es auch die Möglichkeit, ein partei-internes Amt, z.B. im Vorstand Deiner Sektion zu übernehmen.
  • Falls Du das möchtest, kannst Du mit Deiner Sektion auch Kontakt aufnehmen, um über eine Kandidatur für eine öffentliches Amt zu sprechen, z.B. in der Schulpflege Deines Wohnortes.

Um unsere Werte verteidigen zu können, braucht es finanzielle Mittel. Die SP ist eine Mitgliederpartei und schöpft ihre Stärke aus dem Engagement ihrer Mitglieder.
Die Mitgliederbeiträge werden von den Kantonalparteien und den Sektionen unterschiedlich festgelegt und sind abhängig von Deinem steuerbaren Einkommen. Wir folgen unseren eigenen politischen Forderungen: Wer wenig verdient, bezahlt wenig, und wer viel verdient, beteiligt sich mehr an den Kosten von Partei und Politik.
In der Regel fallen jährlich je nach Einkommen Kosten zwischen circa 80 und einigen Hundert Franken an. Die Mitgliederbeiträge werden jährlich erhoben.

In einigen Kantonen wird zusätzlich ein Solidaritätsbeitrag erhoben.

Für mehr Informationen kannst Du Dich an die SP an Deinem Wohnort oder in Deinem Kanton wenden.

Ja, selbstverständlich! Du kannst der SP beitreten, ohne den Schweizer Pass zu haben. Denn alle Menschen, die in der Schweiz leben, sollen in der Politik mitdiskutieren können.

Du hast verschiedene Möglichkeiten, Dich einzubringen. Wenn Du an Deinem Wohnort aktiv werden möchtest, wendest Du Dich am besten an die Sektion Deiner Gemeinde oder Deines Quartiers. Diese ist auch die richtige Anlaufstelle für den Einsatz in einem öffentlichen Amt (Gemeinderat, Schulpflege, Sozialbehörde…).
Du kannst Dein Wissen und Können auch innerhalb der Partei einbringen. Die SP sucht immer Leute, die sich in der Parteiorganisation engagieren (Gemeinde, Bezirk, Kanton, Themenkommissionen).

Melde Dein Interesse bei den Verantwortlichen Deiner Ortssektion an. Die Sektion nominiert SP-Kandidierende für öffentliche Ämter, sei dies für den Gemeinderat oder die lokalen Schul-, Sozial- oder Finanzbehörden. Die Ortssektion bildet oft auch für Ämter auf übergeordneter Ebene (Kantons- oder Grossrat) den Ausgangspunkt des parteiinternen Nominationsprozesses.

Abgesehen von der Zahlung des jährlichen Mitgliederbeitrags gehst Du keine Verpflichtungen ein. Voraussetzung für den Beitritt ist eine inhaltliche Nähe. Dies bedingt jedoch nicht, dass Du in allen Fragen mit der SP gleicher Meinung sein musst.

Die Statuten der SP Schweiz verbieten die gleichzeitige Mitgliedschaft in mehreren Schweizer Parteien.
Doppelbürger:innen können Mitglied der SP Schweiz und Mitglied einer ausländischen Schwesterpartei sein, beispielsweise der deutschen SPD oder des italienischen Partito Democratico. Die Mitgliedschaft bei der SP Schweiz ist für Angehörige von Schwesterparteien gratis, sofern sie belegen können, dass sie in ihrem Heimatland Mitgliederbeiträge an eine Sozialdemokratische Partei entrichten.

Ja. Auch im Ausland kannst du dich als Mitglied der SP Schweiz in die Politik einbringen. Wenn Du Deinen Wohnsitz im Ausland hast, wirst du automatisch Mitglied der SP International.

Für JUSO-Mitglieder besteht bis zum Alter von 26 Jahren die Möglichkeit einer kostenlosen SP-Mitgliedschaft. Ein entsprechender Antrag kann per Mail an [email protected] gestellt werden.

Das bietet Dir die SP

Was Du von der SP erwarten darfst.

Du bist nah dran an der Politik: Wir schicken Dir unsere Aufrufe, Newsletter sowie sechs Mal jährlich unser Mitgliedermagazin “links”. Du kannst Dich mit Gleichgesinnten vernetzen.

Du kannst von andern lernen und Dich mit Deinem Wissen und Können auf verschiedenen Ebenen in der Partei einbringen.
Gemeinsam schaffen wir eine bessere Zukunft!

Keine Demokratie ohne Bildung. Wir bieten Dir Webinare und Seminare zu Hintergrundwissen und aktuellen politischen Themen.