«Die Massenzuwanderung, auch von bildungsfernen Familien, sind das Hauptproblem der Krise an den Volksschulen.» Um dies herauszufinden hat die SVP zwei Jahre nachgedacht. Das bildungspolitische Motto ihres vorliegenden Positionspapiers soll in Anlehnung an den grossen Schweizer Pädagogen Heinrich Pestalozzi «Mit Kopf, Herz und Verstand» übersetzt ins 21. Jahrhundert alle Probleme lösen.
Quelle: Leserinnenbrief von Suzanne Gilomen, SP60+ Freiburg
Pestalozzi war ein Pionier der Reformpädagogik und wollte durch Bildung soziale Ungerechtigkeit bekämpfen. Seine Hauptziele waren Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit insbesondere für Kinder aus ärmeren Familien.
Von diesen Zielen findet sich im SVP-Programm nichts mehr. Mit 15 Minuten Kopfrechnen, Auswendiglernen von Gedichten und Liedern sowie Werken und Handarbeiten will die SVP den Schülern alternative Berufswege zur akademischen Laufbahn aufzeigen. Das alles entspricht inhaltlich den Gegebenheiten des 18./19. Jahrhundert und ist demzufolge altmodisch sowie gesellschaftlich und wirtschaftlich überholt. Gleichzeitig stellt es eine skandalöse Abwertung nicht akademischer Berufslaufbahnen für Fachkräfte dar. Kinder sollen so wenig wie möglich eine Chance erhalten, sich zu kompetenten Staatsbürgern zu entwickeln, die nicht alles glauben, was man ihnen vorsetzt.
Die Schule ist vor allem dazu da, Kinder auch sprachlich, sinnvoll und kompetent auf ihre Zukunft in einer demokratischen Gesellschaft vorzubereiten. Mit SVP und ähnlich denkender FDP wird eine würdige und erfolgreiche Entwicklung unserer Gesellschaft im 21. Jahrhundert jedoch nicht gelingen. Pestalozzi dreht sich im Grabe um.