Ein weiterer Schritt in Richtung einer Zwei-Klassen-Medizin
Stellungnahme Rita Schmid & Dominique Hausser, Co-Präsidium SP60+ Schweiz
Wir sind empört. Empört über die Argumente, welche die Mehrheit in den Debatten vorbringt, die für diese neue Diskriminierung gestimmt hat. Diese Gebühr trifft einmal mehr Menschen mit geringem Einkommen, ob jung oder alt. Nach der Erhöhung des Selbstbehalts ist dies eine weitere Massnahme, die vor allem zum Verzicht auf rechtzeitige Behandlungen führt. Und eine zu späte Behandlung kostet viel – Geld, Zeit und Leid.
Kennen Sie viele Menschen, die aus Spass in die Notaufnahme gehen? Wir nicht. Es gibt immer gesundheitliche Problem, die zu Sorgen oder Ängsten führen, weshalb Menschen Hilfe und medizinische Versorgung in Anspruch nehmen.
Kennen Sie viele Menschen, die sich nicht zuerst an ihren Hausarzt wenden, sofern sie einen haben? Wer einen ambulanten Notdienst anruft, wird oft an die Notaufnahme eines Spitals verwiesen, weil das Problem etwas zu komplex erscheint, um es nachts oder am Wochenende zu lösen. Oder einfach nur, weil niemand verfügbar ist. Wie beim Pokern wird von uns verlangt, dass wir bezahlen, um mitspielen zu dürfen. Nur: Mit der Gesundheit spielt man nicht!
Als ob man im Voraus wissen könnte, dass die Schmerzen oder andere Beschwerden nur «Kleinigkeiten» sind, die keinen Arztbesuch erfordern.
Ein Beispiel, das zugegebenermassen und zum Glück recht selten vorkommt: Eine Frau hat Bauchschmerzen; nach der Untersuchung stellt sich heraus, dass es sich um eine Eileiterschwangerschaft handelt, also um einen absoluten lebensbedrohlichen Notfall. Es handelt sich also um ein Problem bei einer schwangeren Frau, die von Notfallpauschale befreit ist, doch sie wusste nicht, dass sie schwanger war: Da sie in finanziellen Schwierigkeiten steckt, zögert sie den Arztbesuch hinaus. Und wenn sie zögert, sei es nur um wenige Stunden, steht ihr Leben auf dem Spiel.
Indem uns immer wieder glaubhaft gemacht wird, dass sich alles durch eine verstärkte Kostenüberwälzung auf die Einzelperson regeln lässt, begraben wir die Solidarität und lassen immer mehr Menschen am Rand zurück.
Mehr darüber in der Medienmitteilung der SP Schweiz vom 18. März 2026