Bestattungswesenin St. Gallen: Wie wird die Stadt den Bedürfnissen unterschiedlicher Reli-gionsund Glaubensgemeinschaften gerecht?

Der Tod eines nahestehenden Menschen ist für Angehörige eine Ausnahmesituation. Umso wichtiger ist ein Bestattungswesen, das allen Einwohner:innen der Stadt St. Gallen in gleicher Weise offensteht und unterschiedlichen religiösen, weltanschaulichen und kulturellen Bedürfnissen mit Respekt begegnet.

Die heutigen Informationen, Formulare und Abläufe der Stadt im Bereich Bestattung orientieren sich
stark an traditionell geprägten Bestattungsformen. So verweist die Stadt auf ihrer Website und in ihren Unterlagen insbesondere auf Abdankungen in Kirche oder Kapelle sowie auf Formen und Begriffe, die nicht für alle Religions- und Glaubensgemeinschaften gleichermassen passend oder anschlussfähig sind. Auch das Formular „Bestattungswunsch“ und die Informationen zu den Friedhöfen vermitteln nur begrenzt, welche anderen religiösen oder weltanschaulichen Bedürfnisse eingebracht werden können.

Gerade in einer belastenden Situation ist es zentral, dass Angehörige nicht selbst erraten müssen, welche Möglichkeiten bestehen oder ob ihre Wünsche überhaupt Platz haben. Wenn Informationen, Sprache und Standardabläufe vor allem von einer Tradition ausgehen, besteht die Gefahr, dass Bedürfnisse anderer Religions- und Glaubensgemeinschaften sowie konfessionsfreier Menschen zu wenig sichtbar sind, zu spät eingebracht werden oder mit zusätzlichen Hürden verbunden bleiben. Diese Hürden können ins besondere auch finanzielle Folgen haben, wenn Leistungen, die im Rahmen traditionell geprägter Bestattungsformen als Standard mitgedacht oder mitgetragen werden, bei anderen Bestattungsformen als Zusatzwünsche erscheinen.

Hinzu kommt, dass die Stadt selbst festhält, dass das Bestattungsamt Angehörige berät und dass auch das Friedhofpersonal bei der Wahl der Bestattungsart berät. Damit kommt der Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeitenden im Zivilstandsamt, beim Bestattungsamt und auf den Friedhöfen
eine zentrale Rolle zu.

Vor diesem Hintergrund wird der Stadtrat um die Beantwortung derfolgenden Fragen gebeten:

  1. Welche Leistungen im Zusammenhangmit einer Bestattung werden von der Stadt St. Gallen
    heute grundsätzlich finanziert oder mitgetragen?
  2. Wie stellt die Stadt sicher, dass Menschen anderer Religions- und Glaubensgemeinschaften
    sowie konfessionsfreie Menschenauffinanzieller Ebene gleichwertig behandelt werden,
    wenn ihre Bestattungswünsche von diesen Standardabläufen abweichen?
  3. Wo können heute für Angehörige zusätzliche Kosten entstehen, wenn eine Bestattung nach
    den religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungenderverstorbenen Person organisiert
    werden soll, insbesondere dann, wenn diese nicht diese nicht der traditionellen Bestattung
    entspricht?
  4. Wie beurteilt der Stadtrat die heutige Website, die Formulare und die übrigen Unterlagen der
    Stadt im Bereich Bestattung hinsichtlich Sichtbarkeit und Verständlichkeit für Menschen unterschiedlicher Religions- und Glaubensgemeinschaften sowie für konfessionsfreie Menschen?
  5. Teilt der Stadtrat die Einschätzung, dass die heutige Sprache und Darstellung auf der Website und in den Unterlagen noch stark von traditionell geprägten Bestattungsformen ausgeht
    und dadurch andere Bedürfnisse zu wenig sichtbar werden?
  6. Wie sind die Mitarbeitenden des Zivilstandsamts, des Bestattungsamts und des Friedhofpersonals heute auf unterschiedliche Bestattungsformen, Rituale und Traditionen verschiedener
    Religions- und Glaubensgemeinschaften sowie konfessionsfreier Menschen vorbereitet?
  7. Welche Schulungen, Weiterbildungen oder Sensibilisierungsmassnahmenbestehenin diesem Bereich konkret, wie häufig finden diese statt, und welche Themen werden dabei abgedeckt?
  8. Steht die Stadt im Austausch mit Religions- und Glaubensgemeinschaften, um Informationsangebote, Beratung und finanzielle Rahmenbedingungenim Bestattungswesen weiterzuentwickeln? Wenn ja, mit welchen Akteurinnen und Akteuren?
  9. Ist der Stadtrat bereit, die Informationsmittel, Formulare, Beratungsabläufe und die Finanzierungspraxis im Bestattungswesen unter dem Gesichtspunkt der Gleichbehandlung, Diversität und Zugänglichkeit gesamthaft zu überprüfen und dem Stadtparlament gegebenenfalls
    Anpassungenvorzulegen?

Erstunterzeicher:in

Tatiana Pinto Cardoso

Ersteinreichung

24. März 2026

Einreichungskanton

St. Gallen

Einreichegemeinde

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