Von Pia Wildberger
Gastgeberin Elena Meister stellt die Dinge gerne auf den Kopf, wortwörtlich: «Handstand machen» ist ihr Hobby. Auch als Köchin geht das SP-Mitglied unkonventionelle Wege: Im Restaurant Seldas, das sie bis Ende Dezember in Schaffhausen führte, tischte sie die Speisen in mehreren Schüsseln in der Tischmitte auf, anstatt allen Gästen das Menu einzeln zu servieren. Das fördert das Gemeinschaftserlebnis, man tauscht sich aus – erst recht, wenn das Essen so gut schmeckt wie im Seldas. «So haben wir zuhause am Familientisch gegessen, das hat mich inspiriert», erzählt die 26-Jährige.
Was der Kühlschrank hergibt
Nicht nur für Restaurantgäste, auch zuhause kocht Elena Meister gerne. «Je nachdem, was der Kühlschrank hergibt»: Mit diesem Ansatz lässt sich auch viel für eine klimafreundliche Küche tun, «denn so ist Food Waste kein Problem», so Elena Meister.
Besonders junge Leute essen nicht regelmäßig daheim, was eine wöchentliche Menuplanung schwierig macht. Resten vom Vortag wandern im Kühlschrank unter Umständen immer weiter nach hinten, bis sie entsorgt werden müssen. «Wenn man drei Mahlzeiten pro Woche einplant, kommt man mit einer kreativen Restenküche weit», sagt Elena Meister und empfiehlt dafür ein orientalisch-indisches Curry mit Paneer oder Tofu, «weil mehrere Geschmacksrichtungen reinpassen». So viel vorneweg: Der Resten-Eintopf mit kunterbunten Zutaten, den Elena der Links-Redaktion auftischt, schmeckt grossartig – zur Nachahmung wärmstens empfohlen, auch mit Gästen.
Das Leben verlangsamen
Wo sieht sie einen Hebel für eine klimafreundliche Küche? Nicht in Fleisch-Ersatzprodukten, die viele Zusatzstoffe enthalten und nicht immer leicht verdaulich sind, «sondern in gutem Gemüse». Doch Einkaufen, Rüsten, Schälen und die Zubereitung brauchen Zeit, die vielen Leuten im Spagat zwischen Ausgang, Kind und Karriere fehlt. Ihr Tipp für besseres Essen ist darum klipp und klar: «Weniger arbeiten!» Und sie führt aus: «Man sollte das Leben generell etwas verlangsamen.»
Diesen Rat will sie in den kommenden Monaten in die Tat umsetzen und durch Südamerika reisen. Wetten, dass sie auch dort viele leckere Eintöpfe entdecken wird, die nach einem prüfenden Blick in den Kühlschrank gekocht wurden?
Orientalischer Resten-Eintopf
Zutaten für 4 Personen
- 2 Zwiebeln, in Streifen
- 3 Knoblauchzehen, fein gehackt
- 1 Stück Ingwer, fein gehackt
- 2 Rüebli in Würfeln
- 1–2 Süsskartoffeln in Würfeln
- Gemüse nach Wahl in Würfeln
Resten
Altes Apfelmus, Chutney und/oder Marmelade – was im Kühlschrank vorhanden ist, weiche Birne, Apfel oder Banane
- 3 EL Mischung aus Curry, Kreuzkümmel, Koriander gemahlen, Muskat, Garam Masala und Gewürze nach Wahl
- 2 EL Tomatenpüree
- 2 Tomaten in Würfeln
- Essig zum Ablöschen (Essiggurkensaft oder normaler Essig)
- ½ Liter Bouillon
- ½ Liter Kokosmilch
- 2 Handvoll rote Linsen
- Deko
Frühlingszwiebel in feinen Ringen, Joghurt, Quark oder Sauerrahm, auch vegane Varianten (kann gemischt werden)
Alte Guetzli und halbhartes Brot klein schneiden und mit wenig Sesamöl in der Pfanne rösten.
Zubereitung
- Zwiebel, Knoblauch und Ingwer rüsten und im Topf andünsten.
- Weitere Lebensmittel hinzugeben, die bald aufgebraucht werden müssen.
- Das restliche Gemüse und alle Gewürze und das Tomatenpüree zugeben. Ohne Flüssigkeit 5–10 Min. leicht rösten, ohne dass die Gewürze zu heiss werden.
- Mit geschnittenen Tomaten und Essig ablöschen, mit Bouillon und Kokosmilch auffüllen. Auf mittlerer Stufe 15 Minuten kochen, bis das Gemüse bissfest ist.
- Die Linsen hinzufügen und 2 Min. weiterköcheln lassen. Herd abschalten und mit der Restwärme nachziehen lassen. Nochmals abschmecken.
- Joghurt oder Ähnliches, Frühlingszwiebel und den «Streusel» über das fertige Curry geben und geniessen.
Tipp: Das Rezept lässt sich zum Beispiel mit Kürbis, mehr Tomaten, Mangold, Spinat saisonal anpassen – je kürzer die Garzeit, desto später das Gemüse beifügen.
Essen ist politisch
Unsere Ernährungsweise ist für rund ein ganzes Drittel der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Für den Fleischkonsum wird Regenwald abgeholzt und Soja angebaut, das als Kraftfutter für Tiere dient. Ein Teil der Ernte landet zudem im Abfall. Am meisten Food Waste fällt in Privathaushalten an. Doch dagegen lässt sich etwas tun. Renommierte Köchinnen und Köche stellen in dieser Serie eines ihrer nachhaltigen Lieblingsrezepte vor.