«Die Manosphere verarscht mich»

Der weltweite Backlash zeigt sich nicht nur in den Statistiken zu häuslicher Gewalt und Femiziden, sondern ist bis in die Schulzimmer zu spüren. Immer mehr junge Männer vertreten frauen- und queerfeindliche Ansichten. Was tun? Kambez Nuri von der Fachstelle OH BOY* gibt Einblick in seine Arbeit mit Jugendlichen.

Interview Pia Wildberger

Oft ist die Rede von der sogenannten «Manosphere». Was ist das, und wie gross ist die Bewegung tatsächlich?

Antifeministische und queerfeindliche Äusserungen sind auf jedem Pausenplatz präsent. Die Manosphere und Influencer bieten in Online-Foren und in den sozialen Medien einfache Antworten auf komplexe Fragen und sprechen so Jugendliche an. Besonders in der Pubertät sind viele unsicher und haben Angst vor einem Statusverlust. Die Mano sphere nutzt diese Unsicherheit aus.

Wie erreicht ihr Jugendliche in der Manosphere?

Mit dem Projekt «OH BOY*» bieten wir Jugendlichen in Schulen einen Raum, um über Identität, Unsicherheiten und Ambivalenzen zu sprechen. Viele erleben einen Widerspruch: Einerseits wird von ihnen erwartet, emotional und verletzlich zu sein, andererseits werden sie online mit gegenteiligen Botschaften konfrontiert. Hier versuchen wir Orientierung zu geben.

Was sagt ihr einem Jugendlichen, der findet, Männer würden heute systematisch benachteiligt?

Wir distanzieren uns von der Aussage, nehmen aber seine Gefühle ernst. Es bringt nichts, mit Statistiken zu kontern, wenn er sich nicht gehört fühlt. Der Schlüssel im Rahmen unserer Workshops ist Beziehung. Wir bieten Reflexionsräume an und nehmen die Jugendlichen ernst – ohne ihre problematischen Aussagen zu relativieren. Wenn ein Jugendlicher misogyne Sprüche klopft, fragen wir: «Was löst das in dir aus? Woher kommt das?» Oft steckt dahinter die Angst, in der männlichen Rangordnung abzusteigen. Wir versuchen, Verantwortung zu fördern – und die Jungen als Teil der Lösung zu sehen. Klare Grenzen sind jedoch wichtig, wir tolerieren keine rassistischen oder sexistischen Äusserungen. Aber wir versuchen, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie stehen, und ihnen Sicherheit zu geben, damit sie sich öffnen können.

Was verändert sich konkret bei einem Jungen nach einem Workshop?

In Feedback-Runden hören wir Sätze wie «ich möchte meine Freundin anders behandeln», «ich habe zum ersten Mal mit Erwachsenen über mich reden können» oder «ich will ein besserer Freund sein». Viele merken, dass sie in der Rolle des harten, dominanten Mannes gefangen sind. Wenn sie sich öffnen, erkennen sie, dass ihre grösste Angst oft ihre eigenen Freunde sind: Sie trauen sich nicht, Gefühle zu zeigen, aus Sorge, ausgelacht oder ausgeschlossen zu werden. Der Workshop gibt ihnen die Möglichkeit, verletzlich zu sein – und das verändert ihr Verhalten.

Was motiviert Jugendliche, ihr Ver halten tatsächlich zu ändern?

Wenn sie feststellen, dass ihr Verhalten als harter Macho sie unglücklich macht. Wir zeigen ihnen auch Statistiken – beispielsweise dass 95 Prozent der Gefängnisinsassen Männer sind. Das schockiert sie. Plötzlich verstehen sie: «Die Manosphere verarscht mich.» Der grösste Motivator ist aber Solidarität und das Gefühl, nicht allein mit der Unsicherheit zu kämpfen.

Woher kommt diese antifeministische Haltung, diese Gewaltbereitschaft?

Patriarchale Männlichkeitsnormen begünstigen Gewalt. Jungen begegnen diesen Normen überall – in der Familie, im Sport, in der Schule, in Online-Foren. Wenn ein 16-Jähriger vom Lehrmeister angeschrien wird: «Du bist kein Mädchen! Du kommst pünktlich, machst deinen Job!», dann signalisiert das: Weiblichkeit ist schwach, Männlichkeit bedeutet Härte. Selbst kleine Jungen lernen früh, dass Rumschreien männlich ist, während Mädchen für dasselbe Verhalten kritisiert werden. Die patriarchale Sozialisierung ist traumatisierend und führt zu Isolation und Gewaltbereitschaft. Und auch die Politik trägt Mitschuld: Wenn autoritäre Akteure wie Trump oder AfD-Leute Gewalt verherrlichen, wird das für Jugendliche zum Vorbild.

Was ist ein gutes Männlichkeitsbild?

Männer können alles sein. Ein echter Mann muss kein Klischee erfüllen. Er kann ein Sixpack haben und ein Buch lesen. Er kann weinen und gleichzeitig ein starker Freund sein. Er kann Unterstützung geben – und sie auch annehmen. Er kann eine Sechs im Zeugnis haben – oder eine Zwei. Das macht ihn nicht weniger wertvoll oder «männlich». Zentral ist, dass man seine Grenzen und jene der anderen erkennt. Und Humor ist immer hilfreich.

Zur Person
*Kambez Nuri ist Co-Leiter der Fachstelle OH BOY* von männer.ch und hat den Workshop «Männlichkeit, wer ist das?» mitentwickelt. Als Sozialarbeiter, transkultureller Berater und Gewaltberater arbeitet er mit Jugendlichen, erwachsenen Männern und pädagogischen Fachpersonen und arbeitet als Berater beim mannebüro züri.

Konsequent gegen Gewalt

Die Zahl der Femizide und geschlechtsspezifische Gewalt nehmen in der Schweiz zu, während bei der Prävention, bei Schutz- und Beratungsangeboten um jeden Franken gekämpft werden muss. Die SP Frauen und die SP Schweiz werden daher gemeinsam eine Volksinitiative lancieren, um geschlechtsspezifische Gewalt endlich konsequent und wirksam zu bekämpfen.

Zur Vorbereitung der Initiative organisierte die SP Frauen Ende Januar eine Tagung mit Expert:innen aus Politik, Praxis und Zivilgesellschaft, die die zentralen Handlungsfelder und notwendigen politischen Massnahmen diskutierten – von Prävention und Opferhilfe über Strafverfolgung bis hin zu den politischen und finanziellen Rahmenbedingungen. Mit dabei waren etwa die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr, Bundesrat Beat Jans, Autorin Agota Lavoyer und alt Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

Prävention geht nicht ohne Männer – und besonders wirksam ist sie, wenn junge Menschen erreicht werden. Diesen Aspekt deckte Kambez Nuri ab, der ebenfalls an der Tagung teilnahm.

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Um unsere Werte verteidigen zu können, braucht es finanzielle Mittel. Die SP ist eine Mitgliederpartei und schöpft ihre Stärke aus dem Engagement ihrer Mitglieder.
Die Mitgliederbeiträge werden von den Kantonalparteien und den Sektionen unterschiedlich festgelegt und sind abhängig von Deinem steuerbaren Einkommen. Wir folgen unseren eigenen politischen Forderungen: Wer wenig verdient, bezahlt wenig, und wer viel verdient, beteiligt sich mehr an den Kosten von Partei und Politik.
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In einigen Kantonen wird zusätzlich ein Solidaritätsbeitrag erhoben.

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Du hast verschiedene Möglichkeiten, Dich einzubringen. Wenn Du an Deinem Wohnort aktiv werden möchtest, wendest Du Dich am besten an die Sektion Deiner Gemeinde oder Deines Quartiers. Diese ist auch die richtige Anlaufstelle für den Einsatz in einem öffentlichen Amt (Gemeinderat, Schulpflege, Sozialbehörde…).
Du kannst Dein Wissen und Können auch innerhalb der Partei einbringen. Die SP sucht immer Leute, die sich in der Parteiorganisation engagieren (Gemeinde, Bezirk, Kanton, Themenkommissionen).

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