Yvonne Zimmermann, Solifonds
«Wir leben und arbeiten wie Sklav:innen, so wie unsere Vorfahren vor 200 Jahren», schildern Teepflückerinnen in Sri Lanka ihre Situation. Die Löhne reichen nicht zum Leben, auf den Plantagen fehlen Toiletten und Trinkwasser, die Arbeiterinnen leben in Baracken aus der Kolonialzeit. «Unser Lohn reicht nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Wir wohnen mit vier Töchtern in einem Raum. Freizeit kennen wir nicht, wir rackern uns von früh bis spät ab», berichtet eine Arbeiterin.
Grösseres Selbstbewusstsein, bessere Vernetzung
Die unhaltbaren Zustände sind zwar bekannt, doch verändert sich die Situation nur langsam. Um die Sichtbarkeit zu erhöhen, führten die Teepflücker:innen mit ihrer Gewerkschaft Ceylon Workers Red Flag Union (CWRFU) vor zwei Jahren ein Arbeiter:innentribunal durch und machten so auf ihre Situation aufmerksam. Richter:innen aus Indien, Nepal und Sri Lanka hörten sich die Aussagen der Arbeiter:innen an und waren sichtlich schockiert. Sie verfassten dringliche Empfehlungen an die Regierung, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen auf den Plantagen zu verbessern. Nun gilt es, diese Empfehlungen durchzusetzen.
Für die Arbeiter:innen war das Tribunal ein Erfolg: Ihre Situation wurde landesweit und international wahrgenommen, ihr Kampf erhielt Unterstützung. Das Tribunal hat die Plantagenarbeiter:innen spürbar gestärkt, besonders die Frauen.
«Ich traute mich vorher nicht, vor anderen Menschen zu sprechen», berichten Arbeiterinnen, die vor dem Tribunal aussagten. Zu dessen Vorbereitung lernten sie, Beweismittel zusammenzutragen und sich auszudrücken. Seither sind sie zu Führungspersonen der Gewerkschaft geworden und machen nun die Empfehlungen der Richter:innen auf den Plantagen bekannt.
Endlich mehr Lohn!
Und nicht nur das: Eine Teepflückerin reichte Klage vor dem Obersten Gerichtshof ein und forderte einen existenzsichernden Lohn. Gleichzeitig schickten Tausende Plantagenarbeiter:innen Postkarten an den Präsidenten des Landes. In der Folge wurde der Lohn erhöht. Auch wenn dies noch nicht ausreicht – es ist ein Erfolg der Arbeiter:innen.
Der Kampf der Teepflückerinnen für ihre Rechte geht jedoch weiter, denn die Empfehlungen des internationalen Justizgremiums müssen auch auf den entlegenen Plantagen bekannt gemacht werden.
Mit Unterstützung des Solifonds wollen die Teepflückerinnen darum demnächst mit einer «Karawane» durch zahlreiche Plantagen ziehen und die notwendige Informationsarbeit leisten.