142 – neue Nummer bei Gewalt

Nummer 142
142 het sie gseit ... Die neue Notrufnummer ist ein Versprechen, aber kein Schutz vor Gewalt.

Von Tamara Funiciello, Nationalrätin BE und Co-Präsidentin SP Frauen

Seit dem 1. Mai gibt es die 142. Eine Nummer für Menschen, die sexualisierte, häusliche oder geschlechtsspezifische Gewalt erleben. Hinter ihr steht jahrelange Arbeit von Betroffenen, Fachstellen, Aktivist:innen, Influencer:innen, Bundesrät:innen, Parlamentarier:innen. 2020 haben SP-Ständerätin Eva Herzog, FDP-Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher und ich die Forderung der Fachstellen ins Parlament getragen, nun haben unsere Bundesrät:innen und Regierungsrät:innen sie umgesetzt. Dank der Mobilisierung von über 500 000 Menschen im Dezember steht nun auch das Geld zur Verfügung, um sie schweizweit bekannt zu machen. Ein Meilenstein, der uns alle gebraucht hat.

Und trotzdem: Wir sind erst den halben Weg gegangen. Denn eine Nummer ist noch kein Schutz. Eine Nummer ist ein Versprechen. Und dieses Versprechen wird nur eingelöst, wenn dahinter überall auch Hilfe steht: erreichbar, professionell, mehrsprachig, barrierefrei, rund um die Uhr. Mit Schutzplätzen, Beratung, medizinischer und rechtlicher Unterstützung. Statt des Verweises auf Strukturen, die schon heute überlastet sind.

Gegen den Kantönligeist

Genau hier wird unser Kampf gegen Gewalt weitergehen. Denn die Kantone setzen die Sache unterschiedlich um. Einige bauen aus. Andere machen das Minimum. Manche verlassen sich auf bestehende Angebote, ohne genug Geld, ohne genug Personal, ohne die Lücken zu schliessen. Und während wir von nationalem Schutz sprechen, klaffen die Unterschiede zwischen den Kantonen weiter auseinander.

Schutz vor Gewalt darf nicht davon abhängen, ob ein Kanton Geld spricht, Strukturen ernst nimmt oder gerade andere Prioritäten setzt. Denn Gewalt macht nicht an Kantonsgrenzen halt. Und unsere Verantwortung auch nicht. Gewaltbekämpfung ist eine gesamtgesellschaftliche und staatliche Aufgabe.

Darum feiern wir die 142. Und darum geben wir uns mit ihr nicht zufrieden. Und wir kämpfen weiter für unsere Initiative: für flächendeckende verbindliche Standards, für Geld, für Schutz, der hält. Die 142 ist ein Anfang. Jetzt sorgen wir dafür, dass daraus ein System wird, das Betroffene wirklich auffängt.

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