Wie der erste sozialdemokratische Bundesrat Ernst Nobs bespitzelt wurde

Auszug aus der Fiche von Bundesrat Ernst Nobs.
Überwachungsstaat 1.0: Die Fiche von Bundesrat Ernst Nobs gibt Einblick in das Denken von Bürgerlichen und Reaktionären in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Und sie zeigt deutlich, wovor die Mächtigen damals Angst hatten.

Von Balz Spörri, Journalist und Historiker

Ernst Nobs (1886–1957) hatte eine lange politische Karriere. Er war Zürcher Gemeinderat, Nationalrat, Regierungsrat und Stadtpräsident. 1943 wurde er als erster Sozialdemokrat in den Bundesrat gewählt. Von 1917 bis 1948 wurde er die ganze Zeit über vom Staatsschutz observiert – selbst als Mitglied der Landesregierung. Das zeigen seine Fichen im Bundesarchiv, die erstmals ausgewertet wurden.

Dass Nobs in den politisch aufgeheizten Jahren am Ende des 1. Weltkrieges auf den Radar der Bundesanwaltschaft geriet, lag nahe. Der «rote Nobs», Redaktor beim Zürcher «Volksrecht», galt als Vertreter der revolutionären «Zimmerwalder Linken» und zählte im November 1918 zu den Anführern des Landesstreiks.

«Zur Beobachtung empfohlen»

Weite Teile des Bürgertums und der Behörden betrachteten den Streik als Versuch der angeblich unter dem Einfluss «bolschewistischer», meist jüdischer Emigranten stehenden Arbeiterschaft, gewaltsam an die Macht zu gelangen. Um einen weiteren Umsturzversuch zu verhindern, sollten fortan alle verdächtigen Emigranten und ihre Kontakte in der Schweiz überwacht werden.

Am 16. September 1919 notierten die Staatsschützer: «Nobs ist ein eifriger und tüchtiger bolschewistischer Agitator.» Und wenig später: «Nobs wird zur Beobachtung empfohlen.»

Überwachung durch Private

Die Fichierung durch die Bundesanwaltschaft, das oberste Organ des Staatsschutzes, begann. Meldungen lieferten zunächst das Polizeikommando Zürich, ein ausserordentlicher Untersuchungsrichter, aber auch ausländische Diplomaten. So teilte etwa der englische Militärattaché mit, Nobs habe von der Sowjetunion viel Geld erhalten, um die Revolution in der Schweiz voranzutreiben. Belege dafür gibt es keine.

Lange Zeit waren die Behörden zur Überwachung «staatsfeindlicher Elemente» auf Private angewiesen. Mit Abstand wichtigster Zuträger wurde der reaktionäre Schweizerische Vaterländische Verband (SVV), zu dessen Mitgliedern die späteren Bundesräte Philipp Etter und Karl Kobelt sowie der spätere General Henri Guisan zählten.

Revolution ante portas?

Ernst Nobs rückte in den 1920er-Jahren politisch Richtung Mitte. Der SVV war jedoch überzeugt, dass die sozialdemokratischen Anführer nach wie vor mit Hilfe ausländischer Agenten einen Umsturz planten. So meldete der SVV 1938, Regierungsrat Nobs habe sowohl in seinem Büro wie zu Hause «regen Besuch» von politischen Flüchtlingen aus Deutschland und Österreich.

Selbst nach der Wahl in den Bundesrat führte die Bundesanwaltschaft die Fiche weiter. So wurde etwa festgehalten, dass Nobs 1944 an der 1.-Mai-Feier in Winterthur oder 1945 am Pfingsttreffen der «Naturfreunde» auftrat.

Breites Misstrauen

Was zeigen die Fichen von Nobs? Zum einen sieht man, wer damals die Macht hatte. Zum anderen wird deutlich, dass weite Teile der bürgerlichen Schweiz den Sozialdemokraten nie ganz über den Weg trauten. Und heute? Bis dato stand noch nie ein Sozialdemokrat dem Militärdepartement vor. Ist das blosser Zufall oder Ausdruck eines anhaltenden Misstrauens?       

Die ganze Geschichte liest du hier: *Staatsfeind im Bundesrat, NZZ Geschichte Nr. 60/2025.

Ernst Nobs, der erste sozialdemokratische Bundesrat

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