Die SP Frauen und die SP Schweiz haben heute in Bern zu einer Fachtagung gegen geschlechtsspezifische Gewalt eingeladen. Die Tagung bildete den Auftakt für eine Volksinitiative, die geschlechtsspezifische, sexualisierte und häusliche Gewalt in der Schweiz bekämpfen soll.
«Letztes Jahr wurden in der Schweiz 29 Frauen und Mädchen getötet. Diese Tötungsdelikte sind keine tragischen Einzelfälle, sondern Ausdruck struktureller, geschlechtsspezifischer Gewalt», sagte Tamara Funiciello, Co-Präsidentin der SP Frauen. Um diese zu bekämpfen, lancieren die SP Schweiz und die SP Frauen eine Volksinitiative. Die Initiative soll die notwendige Finanzierung sichern, um unter anderem einheitliche Angebote zu garantieren.
Zur Vorbereitung der Initiative wurden an der heutigen Tagung die inhaltlichen Pfeiler diskutiert: Expert:innen aus Fachorganisationen zeigten auf, was die Ursachen geschlechtsspezifischer Gewalt sind, wie Betroffene bedarfsgerecht Schutz und Unterstützung erhalten, wie strafrechtliche Verfahren opfersensibel gestaltet werden können und welche politischen Massnahmen dazu erforderlich sind.
«Wie viele Tötungsdelikte, wie viele Vergewaltigungen braucht es noch, bis die Sicherheit von Frauen endlich zur Priorität wird?», fragte Tamara Funiciello. Einig waren sich alle: Für die vollständige Umsetzung der Istanbul-Konvention braucht es endlich eine gesicherte, nachhaltige Finanzierung. «Es braucht Koordination, klare Mindeststandards und Geld», so Funiciello.
Mit den nötigen Mitteln soll der flächendeckende Ausbau von Schutzunterkünften, ein diskriminierungsfreier Zugang zu allen Unterstützungsangeboten sowie breit angelegte Informations- und Präventionskampagnen ermöglicht werden. Dazu gehören Sensibilisierungsmassnahmen in Schulen, am Arbeitsplatz und im Freizeitbereich, ebenso wie die Täterarbeit – etwa Täteransprachen und Electronic Monitoring.
«Ziel muss sein, dass alle von Gewalt betroffenen Personen die Hilfe finden und erhalten, die sie benötigen», sagt Funiciello. «Um das zu erreichen, wollen wir eine breite Allianz für die Initiative schmieden. Wir wollen Frauen aus allen Parteien für dieses wichtige Anliegen gewinnen sowie NGOs und Expert:innen einbinden.»
In der Budgetdebatte vom Dezember 2025 haben rund eine halbe Million Menschen einen Appell der SP Frauen für mehr Mittel gegen patriarchale Gewalt unterzeichnet. «Dieses starke Signal zeigt: Geschlechtsspezifische Gewalt bewegt die Bevölkerung und macht betroffen», sagte Jessica Jaccoud, die die SP Frauen zusammen mit Tamara Funiciello präsidiert. «Die Menschen erwarten zu Recht, dass die Politik handelt», so Jaccoud weiter.
Die öffentliche Fachtagung in Bern stiess denn auch auf grosses Interesse: Die Plätze waren innerhalb weniger Stunden ausgebucht. Zu den Redner:innen gehörten neben Fachpersonen verschiedener Organisationen auch Bundesrat und Justizminister Beat Jans, alt Bundesrätin Simonetta Sommaruga, die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr sowie SP-Co-Präsident Cédric Wermuth.



