Berufsbildung: Schöne Worte statt handfeste Investitionen

Der Bund unter Führung von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann muss sich in der Erwachsenenbildung stärker engagieren. Anstatt Mittel zu kürzen und die Verantwortung auf die Kantone abzuschieben, soll der Bund erwachsenengerechte Angebote in der Berufsbildung fördern. Wenn es gelingt, mehr Menschen in die Arbeitswelt zu integrieren, profitieren alle davon.

Mitte April 2016 hat ein Spitzentreffen der Berufsbildung unter Leitung des Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann stattgefunden. Thema waren die 550‘000 Erwachsenen ohne Berufsbildung, die auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen haben. Die Schweiz hat alles Interesse, diese Personen durch eine Ausbildung nachzuqualifizieren. Damit könnten sie langfristig in die Arbeitswelt integriert werden und rutschen weniger in die Sozialhilfe ab. Das Inländerpotenzial besser zu nutzen ist ebenfalls eine wichtige Forderung der Fachkräfteinitiative. Der Mangel an Fachkräften soll wenn immer möglich mit Personen gedeckt werden, die in unserem Land wohnen und leben.

Der Mangel an Fachkräften soll wenn immer möglich mit Personen gedeckt werden, die in unserem Land wohnen und leben.

Rund 50‘000 Erwachsene ohne Berufsausbildung sind zwischen 25 und 45 Jahre alt. Sie hätten gute Chancen, eine Ausbildung zu absolvieren. Der Bund möchte deshalb im Jahr 2017 eine Informationskampagne starten, um auf diese Möglichkeiten aufmerksam zu machen. Eine solche Sensibilisierungskampagne nützt allerdings wenig, wenn die dazu notwendigen Angebote fehlen. Unsere Berufsbildung ist auf Jugendliche nach der obligatorischen Schulzeit ausgerichtet. Für Erwachsene, die eine Nachholbildung absolvieren möchten, braucht es flexible Modelle. In der heutigen Berufsbildungslandschaft fehlen solche erwachsenengerechten Angebote. Stichworte dazu sind Modularisierung und Validierung. Oft sind vorgängig Kurse in den Grundkompetenzen nötig, insbesondere Sprachkurse. Auch hier fehlen noch die Angebote für diese Zielgruppe.

Erwachsene ohne Berufsausbildung leben fast ausschliesslich in prekären finanziellen Verhältnissen. Ohne öffentliche finanzielle Unterstützung ist für sie eine Ausbildung zum vornherein illusorisch. Eine Arbeitszeitreduktion bei entsprechendem Lohnausfall ist für meisten in dieser Gruppe von Auszubildenden nicht zu verkraften. Kommt dazu, dass in der Schweiz Berufsbildung für Erwachsene meist kostenpflichtig ist. Auch Personen mit minimalstem Erwerbseinkommen müssen in der Schweiz, im Gegensatz zu den meisten umliegenden Ländern, selber für die Kosten ihre Erstausbildung aufkommen. Es versteht sich fast von selbst, dass unter solchen Umständen auch die vorhandenen Angebote nicht besucht werden.

Der Bund schiebt die Verantwortung gerne auf die Kantone, die zusammen mit den Organisationen der Arbeitswelt für die Berufsbildung verantwortlich sind. Mit dem heuteigen Spardruck wird es den Kantonen aber kaum möglich sein, erwachsenengerechte Ausbildungsangebote aufzubauen und zu finanzieren. Mit seiner BFI-Botschaft will der Bundesrat die Mittel für Berufsbildung an die Kantone sogar noch kürzen und dieses Mittel in die Höhere Berufsbildung umlenken. Wenn es dem Parlament nicht gelingt eine Kurskorrektur einzuleiten, wird in der beruflichen Grundbildung abgebaut statt ausgebaut.

Mit dem heuteigen Spardruck wird es den Kantonen aber kaum möglich sein, erwachsenengerechte Ausbildungsangebote aufzubauen und zu finanzieren.

Statt Sonntagsreden zu halten und Informationskampagnen anzukündigen muss der Bund dieses Problem nun endlich angehen, erwachsenengerechte Angebote fördern und die Finanzierung der Ausbildungswilligen sicherstellen. Bildung ist nicht zum Nulltarif zu haben – investieren wir in die Zukunft!

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