Ruth Gurny
Die jetzige berufliche Vorsorge in der Schweiz steckt in der Sackgasse. Besonders Menschen mit tiefen Einkommen, unterbrochenen Erwerbsbiographien oder grossem Anteil an unbezahlter CareArbeit sind schlecht abgesichert. Dazu kommen handfeste Risiken für breite Bevölkerungsschichten. Ihre Renten sind innert weniger Jahre erheblich eingebrochen. Im Buch «Eine zweite Säule für alle» wird aufgezeigt, wie die berufliche Vorsorge zu einer echten Sozialversicherung umgebaut werden kann, die für mehr Transparenz, Gender- und Generationengerechtigkeit sorgt. Der Vorschlag zeichnet sich auch dadurch aus, dass niemand verliert, denn bereits angesparte Vermögen werden nicht angetastet.
«Fortsetzung der Lebensführung in angemessener Weise»
Zentrales Moment des vorgeschlagenen Modells ist die strikte Trennung zwischen Obligatorium und Überobligatorium. Das Obligatorium wird grundlegend umgebaut durch die Einrichtung eines öffentlichen, zentralen Fonds, dem sämtliche Erträge zukommen und der alle obligatorischen Leistungsansprüche bedient. Der Umwandlungssatz von 6,8 Prozent bleibt gewährleistet. Damit wird für möglichst viele Rentner:innen eine Gesamtrente gesichert, die die in der Verfassung festgelegte «Fortsetzung der Lebensführung in angemessener Weise» ermöglicht. Die Beiträge basieren weiterhin auf dem Erwerbseinkommen, und die Renten werden auch künftig auf Basis des Kapitaldeckungsverfahrens ermittelt. Alle Beiträge sowie sämtliche Finanzerträge aus den im Obligatorium angesparten Kapitalien gehen an den zentralen Fonds, der zum organisatorischen Rückgrat des Obligatoriums wird. Den bisherigen Vorsorgeeinrichtungen verbleibt im Obligatorium die treuhänderische Aufgabe, diejenigen Kapitalien weiter zu verwalten, die bis zur Einführung der Reform angespart worden sind.
Einheitliche Rentenansprüche in der ganzen Schweiz
Der so umstrukturierten «Zweiten Säule für alle» können nun rentenbildende Erziehungs- und Betreuungsgutschriften aus allgemeinen Steuermitteln zugeführt werden. Diese Gelder werden einheitlich angelegt und die entstehenden Rentenansprüche fallen schweizweit einheitlich aus. Damit wird der GenderPension-Gap erheblich reduziert. Weiter werden Koordinationsabzug und Eintrittsschwelle abgeschafft. Die Beitragssätze werden so angepasst, dass die Rentenaussichten oberhalb der Schwellen erhalten bleiben, bei Lohnabhängigen mit niedrigen Pensen jedoch erheblich besser werden. Es wird dabei vermieden, dass die Gesamtsumme der angesparten und auf den Finanzmärkten exponierten Kapitalien erhöht wird.
Höhere Stabilität ermöglicht tieferen Deckungsgrad Die höhere Stabilität des neuen, staatlich getragenen Systems erlaubt es, den Deckungsgrad deutlich absinken zu lassen, mindestens auf 100 Prozent. Dadurch werden Mittel in der Höhe von rund 76 Milliarden Franken frei, die etwa zur Renten sicherung der Baby-Boomer-Generation genützt werden können.
Das Überobligatorium bleibt erhalten. Allerdings werden das versicherbare Einkommen und das entsprechende Steuerprivileg von heute rund 900 000 Franken auf das Doppelte des Medianeinkommens, also rund 170 000 Franken begrenzt.
Buchvernissage
Das Buch ist in deiner Lieblingsbuchhandlung oder online erhältlich und lässt sich unter www.denknetz. ch/buch_bvg als PDF runterladen. Alle Interessierten sind am 24. März 2026, 19 – 20.30 Uhr, im Politforum, Käfigturm Bern, Marktgasse 67 zur Buchvernissage eingeladen.