Interview Pia Wildberger
1. Du bist heute um 02.30 Uhr aufgestanden, um die Busfahrer:in nen in Winterthur beim Warnstreik zu unterstützen. Was treibt dich an?
Die Kolleg:innen in Winterthur haben schlechtere Arbeitsbedingungen als wir in Zürich bei der VBZ. Das ist nicht akzeptabel. Wir mussten verhindern, dass die Busbetriebe die Busse bereits vor Arbeitsbeginn aus dem Depot stellen. Darum mussten wir auch früh vor Ort sein. Wenn Solidarität gefragt ist, stehe ich auch um halb drei Uhr auf.
2. Du bist seit Jahrzehnten Mitglied der Gewerkschaft VPOD. Warum hast du den Schritt zur SP gemacht?
Ich war schon seit Jahren Sympi und für den Beitritt war es höchste Zeit. In der Budgetdebatte verlangten wir von der Stadt eine fünfte Ferienwoche. Als das Anliegen 2025 durch den Gemeinderat ging, merkte ich: Als Mitglied hast du echtes Mitbestimmungsrecht. Das hat den Ausschlag gegeben. Ich sehe mich als Brückenbauer zwischen Gewerkschaft und SP – von der Seite der Arbeiter:innen her, und ich versuche immer wieder, Gewerkschafter:innen zum Beitritt zu bewegen. Gewerkschaft und SP gehen Hand in Hand.
3. Du bist täglich im Stadtverkehr. Was hältst du von Tempo 30?
Das sollte man sofort in der ganzen Stadt einführen! Warum? Ich habe Kinder – auch deshalb ist mir Sicherheit sehr wichtig. Wenn sich viele Verkehrsteilnehmer:innen auf engstem Raum begegnen, wie das in Zürich der Fall ist, ist Tempo 30 das einzig Richtige.
4. Regst du dich manchmal über den Verkehr auf?
Kaum. Im Führerstand höre ich linke Pod- casts wie meyer:wermuth oder Jacobin und hoffe, SVP-Wäh ler:innen, die vorne stehen, hören mit. Das ist politische Bildung im Alltag.
5. Was sind deine Hobbys, neben dem VPOD?
Velo fahren und an Velos rumschrauben ist mein Ausgleich zur Politik. Ich habe neun Fixies, alles Occasionen – ich habe kein einziges neu gekauft. Der grosse Vorteil von diesen Velos: Sie haben keine Gangschaltung und sind darum sehr wartungsarm. Im Keller habe ich eine kleine Werkstatt mit einem Velostand. Das ist mein Ausgleich – neben dem VPOD.
Zur Person
Nuri Kadrii ist gelernter Pöstler und seit 17 Jahren Tramführer bei der VBZ in Zürich. Der 40-Jährige ist verheiratet und Vater von drei schulpflichtigen Kindern.