Die Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK-N) hat sich für die Ausweitung der bewilligungsfreien Sonntagsverkäufe von vier auf zwölf Tage pro Jahr ausgesprochen – und stellt sich damit gegen den Ständerat, der die Vorlage erst kürzlich abgelehnt hatte. Die SP Schweiz kritisiert diesen Entscheid scharf: Er ist ein Affront gegenüber den Beschäftigten in einer Branche, die schon heute von tiefen Löhnen und hohem Druck geprägt ist.
«Mehr Sonntagsverkäufe, Aushebelung der Mindestlöhne, längere Arbeitszeiten im Homeoffice: Schritt für Schritt soll der Schutz der Lohnabhängigen abgebaut werden», sagt SP-Nationalrat und SP-Co-Präsident Cédric Wermuth. Der Entscheid der WAK-N reiht sich damit in eine ganze Serie von Angriffen auf das Arbeitsrecht ein. «Der Sonntag ist die Atempause unserer Gesellschaft. Wir fordern den Nationalrat auf, dem Ständerat zu folgen und diese unsinnige Vorlage endgültig zu versenken.»
Wer von einer Ausweitung profitieren würde, ist rasch beantwortet: weder die Kundschaft noch die kleinen Läden. «Niemand hat plötzlich mehr Geld im Portemonnaie, nur weil die Läden länger offen sind. Profitieren würden allein die grossen Detailhändler – auf Kosten kleiner Quartier- und Fachgeschäfte», so Cédric Wermuth. Während ein Grossverteiler problemlos Personal für den Sonntag findet, geraten kleine Betriebe massiv unter Druck. Den Beschäftigten bleibt am Ende weniger Lohn und weniger gemeinsame Zeit mit der Familie.
Besonders stossend: Mit der Ausweitung fallen für viele faktisch die Sonntagszuschläge weg. Heute erhalten Beschäftigte den Lohnzuschlag von 50 Prozent nur, wenn sie an höchstens sechs Sonntagen pro Jahr arbeiten – bei zwölf möglichen Verkaufssonntagen ist dieser Schutz Makulatur. Dazu kommen die gesundheitlichen Kosten: Unregelmässige Ruhezeiten erhöhen das Risiko für Erschöpfung und Krankheit – in einem Berufsfeld mit bereits heute kritischen Stresswerten. Die SP Schweiz wird diesen Angriff auf Löhne und Gesundheit in der parlamentarischen Beratung mit aller Entschlossenheit bekämpfen.


